Das neue Projekt „Hersfelder Streetkids“ stellt sein Konzept der Gewaltprävention vor

Muss man(n) Rambo sein?

Die „Streetkids“ sind bewilligt: Ulrich Waldschmidt, SMOG Vorstandsmitglied Diether Bostelmann und Michael Möller (von links nach rechts) wollen perspektivlosen Jugendlichen eine Chance geben. Foto: Claus

Bad Hersfeld. Vorsorge ist besser als Nachsorge, heißt es im Volksmund. Bei der Polizei klingt das so: Gewaltprävention ist die halbe Polizeiarbeit. Auf diese Weise formuliert es Polizeidirektionsleiter Klaus Wittich im Landratsamt bei der Präsentation des Projekts „Hersfelder Streetkids“. Es ist ein weiterer Schwerpunkt des Vereins „SMOG - Schule machen ohne Gewalt“. Zielgruppe sind Jugendliche, die bereits straffällig geworden sind und in die Kriminalität abzurutschen drohen.

„Die Mischung bei diesem Projekt aus einem intellektuellen und einem körperlichen Ansatz gibt Grund für Optimismus“, freut sich Vereinsvorsitzender Erwin Maisch über die Zusammenarbeit.

Aggression kanalisieren

„Wut ist etwas völlig normales“, weiß Ulrich Waldschmidt, einer der beiden Initiatoren. Der Sozialpädagoge lehrt, Aggression zu kanalisieren, dann können sie sogar nützlich sein. „Man muss als Mann kein Rambo sein“, erklärt er bei seiner Beratung den Jugendlichen, denen ein positives Selbstbildnis und eine Perspektive von anderen Institutionen oft nicht vermittelt werden kann.

Mit dem Ziel, Frustrationen und Bewegungsdrang der Jugendlichen in die richtigen Bahnen zu lenken, kommt nun als entscheidender Faktor im Streetkids-Projekt die MM-Sportschule ins Spiel. „Ich kämpfe vor allem gegen das Image, beim Kampfsport gehe es nur darum, sich auf die Fresse zu hauen“, betont der mehrfache Weltmeister und Bundestrainer Michael Möller. In seiner Schule in Bad Hersfeld lernten die Jugendlichen Disziplin, Verantwortung und Rücksichtnahme.

Dass viele Verantwortliche bei Kampfsport erst einmal skeptisch reagieren, ist nicht ungewöhnlich. Auch Kreisbeigeordnete Elke Künholz spricht es aus: „Anfangs befürchtete ich etwas ähnliches wie ‘Roland Koch im Boxcamp’, das wäre nicht die Prävention, die ich mir vorstelle“. Diese Vorbehalte sind jedoch einer breiten Zustimmung für die Sportschule Möller gewichen, die nach 13 Jahren in Bad Hersfeld etabliert ist. Aus eigener Erfahrung wisse er als ehemaliger Problemjugendlicher nur zu gut, was bei den Streetkids, die zu ihm kommen, los sei, meint der Trainer.

Das körper- und bewegungsbezogene Konzept in der Gewaltprävention ist absolut ernstzunehmen, findet auch Polizei-Jugendsachbearbeiter Frank Müller.

Helmut Licht von der Jugendgerichtshilfe ergänzt das Thema Geld, das in diesem Fall gut investiert sei, denn „ein Tag Gefängnis kostet 250 Euro“.

Nicht einfach wegsperren

Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, seien nicht einfach wegzusperren, sondern man müsse ihnen mit Angeboten wie diesen von Waldschmidt und Möller eine Chance geben. Das diese dann von den Jugendlichen ergriffen werden müssten, ist eine selbstverständliche Bedingung des Projekts.

Von Miriam Claus

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