250 Dinge, die wir an der Region mögen: Die Menschen – Teil 1 der neuen Serie

Man muss sie gern haben

Henner und Marie sind typische Waldhessen: Ein bisschen knurrig, stets skeptisch, aber sie haben das Herz am rechten Fleck. Allerdings ist es deshalb nicht immer ganz leicht, hinter der rauen Schale das weiche Herz zu entdecken. Und das gilt nicht nur für die Nachwuchs-Journalisten, wie die Mädchen auf dem Foto, das am Girls-Day 2011 entstand. Foto: Archiv

Bad Hersfeld. Es sind immer die Menschen, die das Herz einer Region ausmachen. Deshalb muss man die Waldhessen einfach mögen, wenn man diesen Landstrich mag. Dabei machen es die Leute hier dem Neuling gar nicht so leicht, sie gern zu haben.

Als „Hergeloffene“ werden Leute, die nicht hier geboren wurden, wenig charmant bezeichnet. Und auch sonst, ist es zunächst gar nicht so leicht, die raue Schale der Waldhessen zu durchbrechen. Der Neuling wird erstmal beobachtet, gemustert.

„Was hat denn einen gebürtigen Berliner, der lange in Bremen gelebt hat, ein Großstädter also, zu uns in die Provinz verschlagen?“, bin ich hier anfangs häufig gefragt worden. Die schöne Mittelgebirgs-Landschaft, die gute Luft, der Wald, der Freiraum, natürlich auch ein interessanter Job – trotzdem haben sich viele über den freiwilligen Wegzug aus der quirrligen Metropole gewundert. Denn offenbar haben manche, die schon immer hier leben, wohl etwas den Blick verloren, für all die Schönheit, die uns umgibt: das reiche kulturelle Angebot, und die gute Lage nur einen Steinwurf von mehreren großen Städten entfernt.

Auch das muss der „Hergeloffene“ in Waldhessen lernen: Die Menschen hier sind eher zurückhaltend, misstrauisch, pessimistisch. Wer Frohnaturen um sich haben will, der sollte lieber zu den Jecken ins Rheinland ziehen. Hier ist das Glas eher halbleer – was manchmal sogar unseren Landrat nervt, immerhin selbst ein Eingeborener, wenn auch aus dem anderen Altkreis. Er ruft gern dazu auf, das Glas als halbvoll zu betrachten, die Region nicht schlechter zu reden als sie ist. Und damit hat er Recht!

Es braucht also eine Weile, bis man die Menschen hier mögen gelernt hat. Aber dann mag man sie auch richtig. Denn hinter der rauen Schale verbirgt sich meist ein goldener Kern. Handfeste Ehrlichkeit, ein zupackendes Wesen, Hilfsbereitschaft und Gemeinsinn. All das wird in dieser Region groß geschrieben. Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es soviel ehrenamtliches Engagement.

Immer wieder beeindruckt mich, mit welcher Hingabe Väter auf den Fußballplätzen des Kreises unseren Kindern den richtigen Umgang mit dem Ball beibringen. Wie viele Tage – und vor allem auch Nächte – unsere freiwilligen Feuerwehrleute sich um die Ohren schlagen, damit wir ruhig schlafen können. Wie die Landfrauen in lustiger Runde Berge von belegten Broten schmieren, wenn in der Gemeinde gefeiert wird. Mit welchem Eifer und zeitlichem Einsatz der Bad Hersfelder Chorverein, aber auch die unzähligen Sänger, Musiker und Hobby-Schauspieler in unseren Städten und Gemeinden ihre Kunst auf die Bühne bringen. Und mir fielen noch viele andere Dinge ein, die die Menschen in dieser Region tun, um sie lebens- und liebenswert zu machen.

Deshalb muss man die Menschen in dieser Region einfach mögen.

Von Kai A. Struthoff

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