Musikalische Weltreise mit BAP in der Bad Hersfelder Stiftsruine

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Ulrich Rode ist bei BAP der Mann für die „gefährlichen Instrumente“, die bei falscher Behandlung klingen wie Hawaii-Gitarre. Und das soll, so betont Frontmann Niedecken, ganz bestimmt nicht sein.

Bad Hersfeld. Irgendwie sind wir alle ein bisschen Lieschen Müller. Zumindest wenn BAP ein Konzert gibt. Es werde für jeden Geschmack etwas geben, verspricht Wolfgang Niedecken den Besuchern in der ausverkauften Stiftsruine, auch für Lieschen Müller, die vielleicht gerade mal zwei Stücke der Kölsch-Rock-Band kennt.

Viele der Fans in der Ruine kennen weit mehr als zwei Lieder, aber als sie dann endlich kommt, die bekannteste BAP-Hymne „Verdamp lang her“, da gibt es kein Halten mehr. Da wir geklatscht und mitgesungen und niemanden hält es auf den Plätzen.

Das mit den Plätzen ist auch so eine Sache. Vor zehn Jahren noch, so erinnert sich Wolfgang Niedecken, empfanden BAP-Fans es als Beleidigung, wenn man ihnen Sitzplätze anbot. Jetzt sitzt nicht nur das Publikum auf gepolsterten Sitzen im Trockenen, auch die Musiker spielen überwiegend im Sitzen. Und natürlich sind auch sie im Trockenen mit all ihrer Technik und den empfindlichen Instrumenten, während fast den ganzen Abend über der Regen draußen plätschert. Man ist eben gemeinsam älter geworden.

Auch vor fünf Jahren, so erinnert sich Niedecken, habe es beim BAP-Konzert in der Stiftsruine geregnet. „Diesmal haben wir Schirme dabei. Wir sind schon etwas gebrechlich geworden“, scherzt er. Damals sei der Gedanke für eine Unplugged-Tour entstanden. Innerhalb weniger Stunden wurde das erste Konzert in der Ruine auf die Beine gestellt. „Das war so schön. Deshalb wollten wir das immer schon mal als Tournee machen“, meint Wolfgang Niedecken. Nun sei es gelungen und die Band habe schon mehr als 30 Konzerte gespielt.

Dabei sei „unplugged“ oder eben „BAP zieht den Stecker“ natürlich gelogen, räumt der Sänger und Musiker ein, „denn wenn wir alle den Stecker ziehen würden, würdet ihr gar nichts mehr hören“, erklärt er.

Unverwechselbar BAP 

Zu hören gibt es eine musikalische Weltreise, eine bunte Mischung aus alten Songs, neu instrumentiert und arrangiert und neuen Liedern und dazu eine Fülle exotischer Instrumente, eine indische Drehleier zum Beispiel oder eine türkische Sas. Das klingt abwechslungsreich, immer wieder neu und doch unverwechselbar nach BAP. Die Band nimmt ihre Fans nicht nur mit nach Köln, sondern auch nach Marrokko, Costa Rica, Afrika oder in die Türkei. Die Geschichten für seine Lieder findet Wolfgang Niedecken oft auf der Straße. Er erzählt von dem Morgen, als ganz Marrokko bunt beflaggt war, um die Geburt des Thronfolgers zu feiern oder von dem Schuhputzer in Costa Rica, vom Elend der Kindersoldaten in Afrika und von einem Haus in Köln, in dem er mit lauter türkischen und griechischen Familien gelebt hat und deren Gastfreundschaft genoss.

Fotos

BAP unplugged in der Bad Hersfelder Stiftsruine

Und immer wieder geht es um die Liebe: „Keiner kann sagen, wir hätten uns mit diesem Programm um die Liebeslieder gedrückt“, meint Niedecken und besingt Anna und Rita und Lisa und Lena und Magdalena und schließlich auch, die Frau, die zaubern kann.

Jubel, Fußgetrampel, rhythmisches Klatschen für gut drei Stunden Musik vom Feinsten.

Von Christine Zacharias

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