„Cello meets Akkordeon“: Außergewöhnliches Konzert in der Hospitalkapelle

Musikalische Weltreise

bad hersfeld. Ein junger Mann und eine junge Frau, ein Violoncello und ein Akkordeon. Sie scheinen ganze Geschichten mit ihren Instrumenten erzählen zu wollen.

Voller Inbrunst beginnt Christopher Herrmann die Suite für Cello solo von Gaspar Cassadó. Die Töne klingen wechselnd sanft, mal singend schluchzend und tänzelnd in Forte und Pianissimo nach. Die ganze Leidenschaft andalusischer Stierkämpfe scheint eingefangen. Doch kaum hat sich der Zuhörer darauf eingestellt, wird er nach China entführt.

Eine musikalische Weltreise also. Und weil ein Akkordeon mit im Gepäck ist, darf Argentinien nicht fehlen. Die Tastenvirtuosin Veronika Todorova startet mit dem „Libertango“ von Astor Piazolla derartig furios, dass es den Zuhörern der Abendmusik in der vollständig besetzten Hospitalkapelle fast den Atem nimmt.

Überschreitet Grenzen

Den 26-jährigen Stipendiaten der Menuhin-Stiftung Frankfurt kannte man bereits vom Auftritt des Duos „Cello meets Jazz“ im Rahmen des letzten Hersfelder Live Jazz. Christopher Hermann überschreitet als Cellist unterschiedlichste stilistische Grenzen und entwickelt sie in Eigenkompositionen weiter. Sowohl das berühmte Konzert von Aranjuez von Joaquín Rodrigo als auch die etwas spröde Musik György Ligetis sind Teil seines Programms. Seit 2008 arbeitet er mit Veronika Todorova im Duo „Cello meets Akkordeon“ zusammen.

Die 22-jährige Bulgarin, die in Darmstadt studiert, lebt seit 2003 mit ihrer Familie in Deutschland. Mit ihrer „Veronika Todorova Band“ hat sie ihren originellen Stilmix aus Balkanjazz und Tango bereits einem breiten Publikum bekannt gemacht. Der Kultmoderator Volker Rebell holte die Band zweimal ins Studio des Hessischen Rundfunks und tourte mit ihr bei der „hr3-club-tour-hin&weg“ durch das Hessenland.

Die Duette von Veronika und Christopher stecken voller Überraschungen. Scheinbar unvereinbare Stilrichtungen wie etwa der Walzer und der Bolero gehen in einem Stück ganz harmonisch ineinander über. Der wehmütigen Milonga folgt eine stimmungsvolle Polka, zu der man gerne lostanzen würde - wäre da nicht die zum Teil sehr komplizierte Metrik. Den 11/16-Takt beherrschen eben nur die Profis.

Die Stadtkirche hat am Sonntagabend ein mitreißendes Konzert organisiert, das selbstverständlich nicht ohne Zugabe beendet wurde.

Von Ute Janssen

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