HZ-Wochenendportrait: Sebastian Bethge ist der neue Kantor der Stadtkirche

Musik für möglichst Viele

Angekommen: Seit Donnerstag ist der 29-jährige Sebastian Bethge Kantor der Bad Hersfelder Stadtkirchengemeinde. Zum Tätigkeitsbereich des Nachfolgers des nach Weimar gewechselten Johannes Kleinjung gehören allerdings auch Aufgaben des Bezirkskantors. Foto: Apel

BAD HERSFELD. Von oben kennt er die Stadt schon, denn er segelt gern durch die Lüfte. Auf Erden allerdings ist Sebastian Bethge, der neue Stadtkirchen- und Bezirkskantor, gerade erst angekommen. Am Donnerstag wurde er von Kirchenvorsteherin Helga Völker und Dekan Ulrich Brill im Dekanat am Kirchplatz willkommen geheißen.

Eine super-schöne Stelle

Gleich nebenan ist sein Büro. In 1a-Lage, direkt neben einem seiner Hauptarbeitsplätze, der neuen Orgel der Stadtkirche. „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe, das ist eine super-schöne Stelle“, stellt der noch einige Tage 29 Jahre alte, aus Nordenham bei Bremerhaven stammende junge Mann fest.

Geduldig erzählt er, dass ihm eigentlich schon recht früh Klavierunterricht zuteil geworden ist, dass der Knoten aber erst dann geplatzt ist, als er bei einem Musikschulkonzert andere Schüler kleine, anspruchsvolle Stücke spielen hörte. „Wenn die das können, dann kannst du das auch!“, dachte er sich und von da nahm alles - „ein bisschen spät“, wie er rückblickend meint - seinen Lauf. „Richtiger“ Klavierunterricht, intensives Üben, Bekanntschaft mit der Orgel, C-Kurs für nebenamtliche Organisten, und schon vor dem Abitur der Entschluss Musik zu studieren.

Auslandssemester

Das geschah in Lübeck, wo ihn Sergej Tcherepanow prägte. Er legte Bethges „komplettes Fundament“ und brachte ihm bei, wie man übt, spielt, interpretiert und plant. Orgelstudien schlossen sich an, ein Auslandssemester in Lyon und schließlich das „Orgel-Diplom“. Weitere Station war die Musikhochschule Stuttgart. Dort lernte er von Bernhard Haas, Musik differenzierter zu hören und wahrzunehmen, in Zusammenhängen zu sehen und zu deuten. Auch an neue Musik führte Haas ihn heran.

Sein „Referendariat“ absolvierte Bethge dann an der Stuttgarter Stiftskirche, beim Landeskirchenmusikdirektor, beim Symphonieorchester der Stadt Ludwigsburg und - nachdem er schon während seines Studiums einen sehr engagierten katholischen Kirchenchor geleitet hatte - bei Kinderchören.

Erste Bekanntschaft mit Bad Hersfeld machte er indirekt in Rendsburg, wo er Roland Möhle, einen „alten“ Hersfelder, als Kantor der Christkirchengemeinde vertrat.

Kinder unheimlich wichtig

Ganz besonders freut sich Bethge auf die sehr aktiven Chöre der Stadtkirchengemeinde. „Ich möchte möglichst viel mit möglichst Vielen für möglichst Viele machen!“ Mit gewinnender Freundlichkeit erzählt er, dass ihm Kinder „unheimlich wichtig“ ist. Aber nicht nur die: „Ich lade alle ein, ohne Scheu auf mich zuzukommen, sich zu beteiligen oder einfach nur zuzuhören!“ Und er verspricht: „Ich werde viel geben!“

An neuere Musik heranführen

Auf seinem Wunschzettel steht Bachs Matthäuspassion, und ganz behutsam möchte er die Hersfelder auch an neuere Musik heranführen. Musikalisch abheben will der sympathische Junggeselle, der gerne liest und spazieren geht, der aber auch über einen beachtlichen Witzefundus verfügt, jedoch nicht: „Ich hebe nur mit dem Segelflugzeug ab.“ Gerne unterschreibt er das Lutherwort, das ihm Dekan Brill mit auf den Weg gegeben hat: „Die Musik ist das beste Labsal für einen betrübten Menschen.“

Von Wilfried Apel

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