Vor 50 Jahren: Spielmannszug beim Besuch des US-Präsidenten

Musik für Kennedy

Der Präsident auf dem Plattencover: Eckard Hild betrachtet die Schallplatte, die der Spielmannszug Bad Hersfeld nach dem Besuch des US-Präsidenten aufgenommen hat. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. Als dieser Tage die 50 Jahre alten Fernsehbilder vom Besuch des US-Präsidenten John F. Kennedy in Hessen über die Bildschirme flackerten, haben sie auch bei alteingesessenen Bad Hersfeldern Erinnerungen geweckt.

Denn als Kennedy am 25. Juni 1963 in Wiesbaden empfangen wurde, spielten 100 Musiker vom großen Spielmannszug des TV Bad Hersfeld auf. „Das war schon eine tolle Sache“, erinnert sich Eckart Hild, der als 17-jähriger Querflötist dabei war. „Mit drei Bussen sind wir nach Wiesbaden gefahren“, berichtet Hild.

Die Musikanten waren dabei auch in eigener Mission unterwegs: Der in Bad Hersfeld stationierte US-Soldat Richard T. Egan blies im Spielmannszug die Trompete. Eine Militärvorschrift besagte, dass US-Soldaten in ihrem Heimatland aus dem Dienst entlassen werden. Egan wollte lieber bei seiner deutschen Frau und seinem Spielmannszug bleiben. „Über die US-Botschaft hat mein Vater erreicht, dass wir in Wiesbaden spielen durften. Im Spielmannszug war die Familie Hild stark vertreten: Fritz, Eckhard Hilds Vater, war zu dieser Zeit Organisationsleiter des Spielmannszuges. Dessen Bruder Adam war Stabführer.

Im Gepäck hatten die Hersfelder ein Schild, auf dem ihre Bitte formuliert war. „Wir haben dann an der Fahrtroute gestanden und Märsche gespielt.“ Der Präsident sei gemeinsam mit Bundeskanzler Ludwig Erhard im offenen Wagen vorbeigekommen. „Das war schon aufregend, so nah an einem US-Präsidenten zu sein“, erinnert sich Hild. Kennedy habe sich nach vorne gebeugt und das Schild gelesen.

Erfolgreicher Auftritt

Der Auftritt der Hersfelder hatte den US-Präsidenten offenbar beeindruckt. Egan durfte in Deutschland bleiben. Nach einigen Jahren ging er jedoch in die USA zurück und lebt seither in der Nähe von New York. „Als wir 1974 bei der Steubenparade aufgetreten sind, haben wir ihn besucht“, berichtet Hild.

Als Kennedy im November 1963 bei einem Attentat ums Leben kam, waren auch die Hersfelder Spielleute sehr betroffen. Der Spielmannszug gab eine Kennedy-Schallplatte heraus, die auch der Präsidenten-Witwe Jaqueline Kennedy überreicht wurde. „Aber alle der im Studio aufgenommenen Titel haben wir in Wiesbaden gar nicht gespielt“, merkt Hild beim Blick auf das Plattencover an. 1965 löste sich der Spielmannszug aus dem Turnverein und wurde zum Sport- und Musikverein, der heute Stadtmusikverein heißt.

Die Querflöte hat Hild, der lange in der Stadtverwaltung gearbeitet hat, schon einige Jahre später aus der Hand gelegt. „Heute bekomme ich da keinen Ton mehr heraus“, meint er lachend.

Der Wiesbaden-Auftritt mit dem Spielmannszug ist dem 67-Jährigen aber in guter Erinnerung geblieben.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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