Bad Hersfelder Festspiele: Katharine Mehrling ist der Star in „Kiss me Kate“

Musik kann nur live leben

Noch in Berlin, bald in Bad Hersfeld: Katharine Mehrling wird im Festspiel-Musical „Kiss me, Kate“ die Lilli Vanessi spielen. Foto: Schönholtz

Berlin/bad Hersfeld. Eigentlich ist Katharine Mehrling ein spontaner Mensch. der die Dinge gerne auch mal kurzfristig geschehen lässt. Deswegen findet sie es ein wenig „spooky“ (englisch „unheimlich“), dass sie schon jetzt bis ins Jahr 2016 hinein verplant ist.

Eine dieser Verpflichtungen führt den Musical-Star aus Berlin in diesem Sommer nach Bad Hersfeld zu den Festspielen. In „Kiss me, Kate“ wird sie unter der Regie von Stefan Huber die Lilli Vanessi spielen.

Die Besetzung dieser Rolle mit der viel gefragten Berlinerin war ein gemeinsamer Wunsch von Huber und Festspielintendant Holk Freytag. „Sie haben mir ein Angebot gemacht“, schmunzelt Mehrling, die zum ersten Mal auf „Deutschlands Freilichtbühne Nummer 1“ stehen wird. „So weit ich es einschätzen kann, ist Bad Hersfeld oberste Liga. Da wird schon drauf geguckt in der Branche“, sagt sie.

Nicht nur vom Hörensagen

Musical in der Stiftsruine ist ihr nicht nur vom Hörensagen bekannt. „Evita“ mit Helen Schneider hat sie hier gesehen und im dünnen Jäckchen eine nächtliche Probe von „Anatevka“ durchbibbert – in ihren Koffer für Bad Hersfeld wird sie ausreichend warme Wäsche packen.

Was Katharine Mehrling bei den Festspielen vorfinden wird, ist ein „richtiges“ Orchester, das ihren Gesang begleitet. „Furchtbar“ findet sie es, wenn dem immer stärkeren Kostendruck im Theater ausgerechnet dieses Qualitätsmerkmal zum Opfer fällt. „Musik vom Band – wie soll das leben?“, fragt sie und stellt trotzig fest: „Das geht für mich gar nicht, auch als Zuschauer würde ich das boykottieren.“ Und sie bekräftigt: „Musik kann nur leben, wenn sie live gespielt wird.“

Vorfreude auf Kompositionen

Deshalb freut sie sich auf die Kompositionen Cole Porters im Allgemeinen („Jedes Lied ist ein Juwel“) sowie den Song „So in love“ im Besonderen. „Das ist eines der Lieder, das ich schon immer mal singen wollte“, sagt Mehrling.

Dass auch in Bad Hersfeld zuletzt ums Geld für die Festspiele gestritten wurde, das hat der Musical-Star am Rande mitbekommen. Ohne Details zu kennen hofft Mehrling, „dass die Qualität erhalten bleibt.“ Stünden bestimmte Mittel nicht zur Verfügung, sagt sie, müssten Kompromisse geschlossen werden. „Und die sind immer schlecht in der Kunst“, gibt Mehrling ihre Erfahrungen wieder.

Auch wenn sie das Privileg genießt, gefragt zu sein und sich ihre Rollen auswählen zu können, hat sie den Blick für die Wirklichkeit in der Musical-Szene nicht verloren. Theater, die sich nicht mehr trauen, mal ein neues Stück auszuprobieren, weil nur die sichere Nummer den Etat nicht gefährdet, und junge Künstler, die nie eine Chance bekommen, weil sie beim gängigen „type-casting“ eben nicht dem gesuchten Typ entsprechen – all das sieht sie mit großem Bedauern.

Eine Person, 1000 Rollen

„Die Show ist der Star“, das sei hierzulande die Regel, die für austauschbare Produktionen und austauschbare Ensembles sorge. Deshalb findet es Katharine Mehrling „wunderbar, dass Holk Freytag das Musical in Bad Hersfeld interessanter gestaltet.“

Und setzt noch eins oben drauf: „Wer sagt denn, dass eine Rolle so oder so gespielt werden muss? Schließlich können in einer Persönlichkeit 1000 Rollen stecken.“

Von Karl Schönholtz

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