Siegfried Heinrich feiert am morgigen Sonntag seinen 75. Geburtstag mit einem Konzert

Die Musik als Geschenk

Siegfried Heinrich prägt seit Jahrzehnten das musikalische Leben in Bad Hersfeld mit. Am Sonntag feiert er seinen 75. Geburtstag.

Bad Hersfeld. Musik ist Siegfried Heinrichs große Leidenschaft. Das war schon so, als er noch ein kleiner Junge war. Auch wenn damals, so erinnert er sich, die Musik mitunter in Konflikt mit einer anderen Liebe geriet: Dem Fußballspielen. Doch Siegfried Heinrichs Mutter kannte kein Pardon: „Erst wird geübt, dann kannst du Fußball spielen“, so lautete ihre Regel und daran hat Siegfried Heinrich sich gehalten – auch als er später selber Kinder hatte. Am Sonntag feiert Siegfried Heinrich seinen 75. Geburtstag.

Beim Dresdner Kreuzchor, dem der musikalisch außergewöhnlich begabte Junge seit seiner Kindheit angehörte, konnte er beide Leidenschaften zusammenführen. Gerne erinnert er sich noch an ein legendäres Tor, das ihm als Linksaußen für die Kruzianer gelang, aus an sich aussichtsloser Position, aber mit Hilfe des Windes, so erzählt er.

Glück gefunden

Von einer sportlichen Karriere hat Siegfried Heinrich jedoch nie geträumt, wohl aber von einer musikalischen. Das gestaltete sich jedoch schwierig, weil das SED-Regime ihm das Musikstudium verwehrte. Sein Vater hatte sich geweigert, Mitglied der Einheitspartei zu werden, das musste auch der Sohn büßen. Stattdessen studierte er, dank der Fürsprache von Kreuzkantor Mauerberger, an der Dresdner Kirchenmusikschule, wo er auf andere Weise sein Glück fand. Er begegnete der Musikstudentin Christa Ebert, die ihm seit nun mehr als 50 Jahren als Ehefrau, als Mutter der gemeinsamen drei Kinder, als Organistin, Cembalistin und kluge Beraterin zur Seite steht, erzählt Heinrich und dabei leuchten seine Augen.

Von seinem Wunsch nach einem Hochschulstudium wollte Siegfried Heinrich dennoch nicht Abstand nehmen. Und so entschloss er sich 1954 zur Republikflucht, um in Frankfurt am Main bei Helmut Walcha das Orgelstudium aufzunehmen. Dort sammelte er als Student und bei zahlreichen Aufführungen und ersten eigenen Einrichtungen wertvolle Erfahrungen.

1961 schließlich übernahm Siegfried Heinrich die Stelle als Kirchenmusikdirektor in Bad Hersfeld und war kurz darauf auch als Dirigent der Festspielkonzerte tätig. Die Entscheidung für Bad Hersfeld habe er nie bereut, sagt Siegfried Heinrich, obwohl ihn kurz nach der Zusage zwei weitere Angebote aus dem Frankfurter Raum erreichten. In Stadtkirche und Stiftsruine realisierte er zahlreiche Aufführungen mit Musik vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Und er hört noch lange nicht damit auf. „In dieser größten romanischen Ruine diesseits der Alpen mit ihrer hervorragenden Akustik musizieren zu dürfen, ist ein Geschenk“, sagt Heinrich. Es blieb nicht bei den Festspielkonzerten. 1974 wurden die Internationalen Bachtage in Hessen und Thüringen unter Heinrichs Mitwirkung ins Leben gerufen. Hier war von Anfang an neben der künstlerischen Qualität das Ziel, die Zonengrenze musikalisch zu überwinden.

1980 erblickte ein weiteres musikalisches Kind Heinrichs das Licht der Welt: Die Oper in der Stiftsruine. Was zunächst mit Monteverdis „Orfeo“ und der „Krönung der Poppaea“ als einmaliges Projekt geplant war, entwickelte sich bald zur Erfolgsgeschichte. Zahlreiche große Opern waren in den vergangenen 30 Jahren in der Stiftsruine zu hören.

Chance für junge Künstler

Getragen wird diese Arbeit im Wesentlichen von treuen und begeisterten Hörern, von hunderten von ehrenamtlichen Helfern und Mitwirkenden, die den Rahmen für professionelle Künstler gestalten, von privaten Sponsoren und – zu etwa fünf Prozent – von öffentlichen Fördergeldern. Neben der künstlerischen und kulturpolitischen Bedeutung, die weit über die Region hinausgehen, zeichnen sich die Veranstaltungen auch dadurch aus, dass Musikschaffende aus Ost- und Westeuropa und auch aus den asiatischen Ländern zusammengeführt werden und dass junge Künstler hier eine Chance bekommen, sich auf der Bühne zu beweisen.

Die pädagogische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen war Heinrich immer ein besonderes Anliegen. Sie wird auch im Johann-Sebastian-Bach-Haus gefördert, das im Jahr 2004 auf Initiative der Musischen Bildungsstätte und mit Unterstützung zahlreicher privater Geldgeber errichtet wurde.

Auch seinem 75. Geburtstag widmet Siegfried Heinrich der Musik. Er dirigiert ein Sinfoniekonzert mit Werken von Händel, Bach, Bruch, Smetana Rossini und Strauß in der Stadthalle. Beginn ist um 11 Uhr.

Von Christine Zacharias

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