Montagsinterview mit „Shiregreen“ Klaus Adamaschek: Was ihn beschäftigt, wird zu Liedern

Musik funktioniert am besten

Blick in die Ferne: Das Reisen ist auch eine Leidenschaft von Klaus Adamaschek. Mit seinen Songs ist er schon in den USA aufgetreten. Foto: Vera Walger

Rotenburg. Mit der gleichen Leidenschaft wie er Lehrer ist, ist Klaus Adamaschek auch Musiker. Mit seinen Songs überzeugt er sein heimisches Publikum genauso wie das in den USA.

Viele Jahre lang war die Leitung des Ökologischen Schullandheims Licherode „zu 150 Prozent“ sein Ding. Bildung ist sein Lebensthema, sagt er. Wir sprachen mit dem Rotenburger über starke Gefühle und den Drang, aus ihnen Lieder zu machen.

Sie drücken sich in Liedern aus. Woher kommt dieses Bedürfnis? Klaus Adamaschek: Ich bin ein intensiver Mensch. Ich baue keinen Kokon um mich. Wenn mich etwas beschäftigt, dann entstehen daraus Lieder, das ist einfach so. Es tut sich was in mir, und das will dann heraus.

Denken Sie dabei an ein Publikum?

Adamaschek: Nein, das ist zunächst ganz ungefiltert. Bevor ich mit einem Lied vor Leute gehe, feile ich viel daran herum. Aber dann muss mein Publikum sich mit dem auseinandersetzen, was da eben kommt. Und das tut es auch. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sich meine Zuhörer auf die Lieder einlassen.

Wieso ist gerade das Schreiben und Singen von Songs Ihre Art sich mitzuteilen?

Adamaschek: Ich habe als Jugendlicher die Lieder von Reinhard Mey und später Kris Kristofferson Tausende Male gehört. Daraus entstand der Traum, auch zu singen, auch einmal auf der Bühne zu stehen. Und Musik ist einfach der Kanal, der bei mir am besten funktioniert.

Was ist es, das Sie ausdrücken möchten?

Adamaschek: Das Wesentliche ist für mich die Intensität. Ich bin ein gefühlsintensiver Mensch. Das ist für manche gewöhnungsbedürftig, gerade als Mann. Ein häufiges Thema in meinen Liedern ist: Wie bleibe ich mir selbst treu, ohne in die Belanglosigkeit, die Mittelmäßigkeit abzugleiten?

Gehört dazu nicht auch viel Mut, sich so öffentlich mitzuteilen?

Adamaschek: Schon. Man wächst aber durch positives Feedback. Und wenn man authentisch ist, wird man auch verstanden.

Sie haben lange Zeit nur auf Englisch gesungen. Jetzt gibt es neue Lieder von Ihnen auf Deutsch. Warum?

Adamaschek: Es war einfach an der Zeit. Ich merke aber, dass ich mit den deutschen Liedern viel mehr Arbeit habe als mit den englischen. Ich muss noch sorgfältiger sein, um Stereotype zu vermeiden.

Hatten Sie das Gefühl, in Ihrem Leben wählen zu können - zwischen einem Leben als Künstler und einem anderen? Adamaschek: Nun, ich hatte die Kunst ja eine ganze Zeit lang praktisch abgewählt. Nach meinen Anfängen als Sänger kam ein ganz anderes Leben. Studium, Sport, Politik, das Ökologische Schullandheim in Licherode. Doch als ich meine heutige Frau Angelika kennenlernte, war die Musik plötzlich wieder da. Trotzdem bin ich ja nicht hauptberuflich Musiker. Gerade das schätze ich auch. Die Musik gibt mir Energie und befruchtet auch meine jetzige Arbeit als Lehrer. Wenn ich mit angehenden Erzieherinnen Kinderlieder singe, hat das für mich viel mit ganzheitlicher Bildung zu tun. Bildung ist mein Lebensthema. Und als Lehrer bringe ich meine ganze Person ein.

Wann ist ein Song gelungen? Adamaschek: Wenn er echt ist. Wenn das Gefühl, das der Ursprung dieses Liedes war, transportiert wird. Ich merke Liedern an, ob sie aus einem Bedürfnis entspringen, etwas mitzuteilen. Oder nur aus dem Bedürfnis zu gefallen.

Von Vera Walger

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