Joachim und Anette Dähn finden keinen Nachfolger für ihre Zahnarztpraxis

Im „Museum“ gestartet

Wollen ihre Türen schließen: Dr. Joachim Dähn und Anette Dähn suchen seit drei Jahren einen Nachfolger für ihre Zahnarztpraxis an der Lullusstraße in Bad Hersfeld. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Nach 35 Jahren soll Schluss sein. Dr. Joachim Dähn und Anette Dähn wollen sich zur Ruhe setzen und suchen für ihre komplett eingerichtete Zahnarztpraxis in Kurparknähe samt festem Patientenstamm einen – oder mehrere – Nachfolger. Doch eigentlich haben sie die Hoffnung auf eine Übergabe schon aufgegeben.

Seit drei Jahren suchen die Dähns, die sich unter anderem auf Funktionsdiagnostik und Kinderzahnheilkunde spezialisiert haben, doch auf ihre Annoncen, unter anderem in Fachzeitschriften, habe es bislang null Reaktionen gegeben. Auch ein „Headhunter“ habe nicht helfen können. Von den drei Söhnen der Dähns ist keiner in die beruflichen Fußstapfen der Eltern getreten. Die Dähns haben sich mit den Veränderungen in ihrer Branche eingehend auseinandergesetzt, trotzdem können sie es nicht nachvollziehen, dass sich einfach kein Nachfolger findet.

Verwaltungsaufwand größer

„Es gibt viele Restriktionen und der Verwaltungsaufwand wird immer größer“, kritisiert Joachim Dähn das Gesundheitssystem. Viele scheuten das Risiko einer eigenen Praxis. „Eine Praxis zu führen ist kein Zuckerschlecken“, wissen die Dähns. Gerade Frauen wagten seltener den Schritt in die Selbstständigkeit und die Doppelbelastung durch Familie und Vollzeitarbeit. Von den männlichen Kollegen gingen immer mehr ins Ausland.

Praxen werden verschenkt

Für immerhin 260 Quadratmeter Praxisfläche mit fünf Behandlungsräumen an der Lullusstraße suchen die Bad Hersfelder einen Nachfolger oder – der Größe wegen – eben auch mehrere. Am Preis soll es nicht scheitern, sagen die Dähns. Auch für einen symbolischen Euro würden sie die Praxis abgeben, wenn gar nichts mehr geht. „Es werden sogar Praxen verschenkt, aber keiner will sie haben“, berichtet Joachim Dähn.

„Natürlich fällt es nicht weiter ins Gewicht, wenn wir gehen“, so Dähn mit Blick auf die Überversorgung mit Zahnärzten im Kreis, und speziell in Bad Hersfeld. „Aber auch andere Kollegen werden älter und es gehen Arbeits- und Ausbildungsplätze verloren.“ Aktuell haben die Dähns noch fünf Mitarbeiterinnen, darunter eine Auszubildende. In der Spitze waren es einmal 15. Die eigene Praxis hat für die Dähns nicht nur einen materiellen Wert, sondern auch einen ideellen. 1979 übernahm Joachim Dähn zunächst die Praxis eines Kollegen. „Das war eigentlich ein Museum, aber für den Start gut.“ Schließlich wurde die neue Praxis an der Lullus Straße eröffnet, und Anette Dähn stieg mit ein. Rund 1,5 Millionen Euro investierten die Dähns in umfangreiche Umbauten, 500 000 Euro fielen dabei für die Einrichtungen an. Das würde heute sicher keine Bank mehr finanzieren, sind sich die Dähns sicher.

Joachim Dähn will mit 66 Jahren zum 31. Dezember in den Ruhestand gehen. Anette Dähn ist 63 Jahre alt und bleibt noch bis zum 31. März 2015. Wenn bis dahin kein Nachfolger gefunden wird, „kommt der Müllcontainer“, so Joachim Dähn. „Oder ich bringe alles nach Äthiopien.“

Von Nadine Maaz

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