Murren, Sitzfleisch und Politiker-Frust

Karl Schönholtz

Noch immer unzufrieden sind die Bad Hersfelder Stadtverordneten mit dem öffentlichen Fußweg vom Rechberggelände zur Hainstraße, der über das Privatgelände der „Raumgalerie“ führt. Diese Verbindung hatte die Stadt dem Bauherrn seinerzeit zur Auflage gemacht. Weil dieser die vorhandenen Wege in seinem Park zunächst für ausreichend hielt, dauerte es eine halbe Ewigkeit, bis der erklärte Wille der Parlamentarier durchgesetzt war. Jetzt regeln aber an Anfang und Ende des Weges zwei verschließbare Tore den Verkehr: Vor neun Uhr geht hier noch nichts und nach 19 Uhr nichts mehr – dann ist abgeschlossen. So war das aber nicht gedacht, wurde jüngst im Bauausschuss gemurrt. Beim Murren soll es jedoch nicht bleiben: Die Stadt will sich notfalls rechtlich durchsetzen.

Sitzfleisch war gefragt, als am Montag im Audimax der Obersberg-Schulen der Führungswechsel beim Amtsgericht Bad Hersfeld gefeiert wurde: 12.30 Uhr sollte es losgehen, doch der Justizminister traf erst mit gut 20-minütiger Verspätung ein. Da guckte mancher schon ein bisschen sehnsüchtig auf den bereitstehenden Imbiss. Der blieb freilich noch lange Dekoration: Bis 15.30 Uhr zogen sich die Reden hin und verlangten selbst erfahrenen Aussitzern aus Politik und Justiz das letzte bisschen Kondition ab. Immerhin: sämtliche Beiträge waren hörenswert, und zwischendurch sorgte der Personalratsvorsitzende mit einer gelungenen Kabaretteinlage für Auflockerung. Trotzdem: Wir wünschen der neuen Direktorin Michaela Kilian-Bock ein langes, erfülltes Berufsleben, damit es bis zur nächsten Feier noch ein bisschen dauert.

Ein wenig enttäuscht war Helmut Heiderich schon, als er uns Anfang der Woche die gute Nachricht von der Verlegung der Erddeponie in seiner Heimatgemeinde Friedewald übermitteln wollte. Wir wussten nämlich schon Bescheid. Der amtierende Bürgermeister war dem CDU-Bundestagsabgeordneten mit einer Pressemeldung zuvor gekommen. Heiderichs Enttäuschung ist verständlich, denn er hatte sich nach eigener Aussage zwei Wochen mit Hochdruck in Berlin um die Klärung bemüht. Dafür konnte er sich am Montag im Glanze von Polit-Shootingstar Peter Altmaier sonnen, der auf seine Einladung nach Alheim gekommen war. Tue Gutes und rede darüber – dieser Grundsatz gilt nicht nur für die Werbebranche sondern auch für Politiker im (Wieder-) Wahlkampf.

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