HZ-Wochenendportrait: Martin Bringmann steht in zwei Stücken auf der Bühne

Mundart als Leidenschaft

Während der Festspiele verwandelt Martin Bringmann sich in Stankowski und Ulrich von Rudenz. Foto: Broy

Bad Hersfeld. Er ist ein Ekel und eine tragische Figur: Martin Bringmann. In „Carmen– ein deutsches Musical“ mimt er Stankowski, einen hinkenden Beamten, der, so Bringmann, „Spaß daran hat, bei jedem seiner Auftritte einen Keil in die Szenerie zu treiben.“

In „Wilhelm Tell“ spielt der 39-Jährige den Neffen des schweizerischen Freiherrn von Attinghausen, Ulrich von Rudenz. Aus Liebe zu Berta von Bruneck steht Rudenz auf der Seite der habsburgischen Unterdrücker, bis Berta, eine Habsburgerin mit Sympathie für das Schweizer Volk, ihn auf die Seite der Eidgenossen zieht: „In dieser Rolle steckt Tragik, am Ende haben sie nur noch sich“.

„Zerrissene Charaktere spiele ich erst seit Kurzem“, erzählt Bringmann. Komödiantische Rollen seien bisher seine Favoriten gewesen. Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Aber meine große Leidenschaft gehört dem hessischen Mundarttheater.“ Im vergangenen Jahr gab der Schauspieler bei den Schlossfestspielen in Auerbach den Schinderhannes auf Mundart im gleichnamigen Stück von Carl Zuckmayer.

Hundenarr und Boxer

Obwohl er mit Stankowski eine Musical-Rolle angenommen hat, muss Bringmann nicht singen. „Das ist auch gut so, ich sehe mich nicht als Sänger“, gibt er zu. Zuhause darf es für Bringmann aber gerne Musik sein. „Gerne laut. Aber keinen Rap, bitte.“

Bringmann ist Hundenarr und Kampfsportler. „Im Moment gehe ich aber nur mit dem Produktionshund Gassi. Und seit einem Bühnenunfall ist das Muay Thai Boxen auch ausgefallen.“ Vor zwei Jahren blieb er in einem Vorhang hängen und riss sich eine Sehne. „Neben den Proben bleibt ohnehin wenig Zeit für Hobbies. Bei meiner Familie möchte ich natürlich auch mal sein.“

Bringmann lebt mit seiner Frau und den zwei Söhnen in der Nähe von Mainz. Familie und Theater zusammenzubringen sei eine Herausforderung, „aber Familienväter, die auf einer Bohrinsel arbeiten, sind auch selten zuhause. Wir kennen das nicht anders“, sagt er.

„Ich bin dafür gemacht, auf der Bühne zu stehen und zu spielen.“

Martin Bringmann

Wenn doch mal Zeit ist, geht Bringmann ins Fußballstadion. „Ich bin Fan des VFL Bochum. Da sitzt der Arzt neben dem Arbeiter, das mag ich so“. Die Stadt Bochum hat er während seiner Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule kennengelernt.

Bringmanns Entscheidung für das Theater fiel in den USA. Sein Vater ist Historiker, zog mit der Familie wegen eines Lehrauftrags für ein Jahr dorthin. „In den USA habe ich in der Dreigroschen-Oper auf Englisch mitgespielt, dass hat mich motiviert.“

Auch als Regisseur hat Bringmann schon Erfahrung gesammelt, mit der Laiengruppe an der freien Bühne Theater Lusthofheim und Jugendgruppen. „Gelernt habe ich dabei, wie schwer inszenieren ist.“

Vorstellen kann er sich einen Wechsel hinter die Kulissen ohnehin nicht: „Am Abend war ich müde, aber es hat was gefehlt. Da habe ich gemerkt, dass ich dafür gemacht bin, auf der Bühne zu stehen.“ Auf welcher Bühne er nach den Festspielen steht, weiß Bringmann schon: „Direkt nach der letzten Vorstellung geht es für zwei Jahre an das Bremerhavener Theater.

Von Sonja Broy

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