Drei Festspiel-Scouts gehen mit den „Sturm“-Darstellern auf Tour durch die Stiftsruine

Nur die Mütze sollte ab

So dicht kommt sonst keiner ran: Die Festspiel-Scouts Angelika Burgart, Michaela Berwanger und Jan Frederik Saure (Mitte, von links) trafen mit Wolfgang Schmidtke, Patrizia Margagliotta, Fabian Baumgarten und Thomas Gimbel (von links) Teile des „Sturm“-Ensembles. Während einer exklusiven Tour durch die Stiftsruine durften die Schüler das Inspizienten-Pult unter die Lupe nehmen. Foto: Spanel

Bad Hersfeld. Mit ihren knallroten Kapuzenpullovern und den dazu passenden Kappen sind sie schon aus der Ferne leicht zu erkennen: Insgesamt 17 Schüler der Modellschule Obersberg sowie der Konrad-Duden-Schule sind dieser Tage rund um die Stiftsruine unterwegs, um den Festspiel-Besuchern bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

„Eigentlich sind wir lebende Wegweiser“, sagt Jan Frederik Saure, der sich genau wie Michaela Berwanger und Angelika Burgart als sogenannter Festspiel-Scout verdingt. Die drei Schüler der Konrad-Duden-Schule bemühen sich, auch ihren Mitschülern das Theater näherzubringen und die Verbindung zwischen den Festspielen und den Hersfelder Schulen zu stärken.

„Meine Schwester und meine Neffen habe ich schon mit in die Aufführungen genommen“, sagt die 13-jährige Angelika Burgart. Genau wie ihre Mitschüler hat sie schon beinahe alle Ruinen-Stücke besucht. So erkennen die drei Scouts auch die Schauspieler des „Sturm“-Ensembles sofort, die sie am Mittwochabend mit auf eine exklusive Tour hinter die Bühnen-Kulissen nehmen.

Berührungsängste lassen Fabian Baumgarten, Patrizia Margagliotta, Thomas Gimbel und Komponist Wolfgang Schmidtke gar nicht erst aufkommen. Schließlich schätzen die Festspieler die Arbeit der jungen Scouts sehr. Trotzdem gilt es, Regeln zu beachten: „Die Bühne darf niemals mit einer Mütze auf dem Kopf betreten werden“, sagt Thomas Gimbel, der den „Trinculo“ im „Sturm“ mimt. Das sei eine alte Bühnenregel – „und wir Schauspieler sind sehr abergläubisch.“

Hinter den Kulissen

Ohne Kopfbedeckung betreten die Schüler dann die Bühne. „Jetzt stellt euch noch 1600 jubelnde Zuschauer vor“, sagt Fabian Baumgarten. Angelika, Michaela und Jan Frederik zeigen sich von der Größe der Zuschauerränge beeindruckt.

Die Frage, ob sie sich eine Karriere als Schauspieler vorstellen können, wird zumindest von dem 14-jährigen Jan Frederik sofort bejaht. In der nächsten Woche bricht er auf zu einem Schauspiel-Workshop in der Schweiz. „Das ist einfach genau mein Ding.“

Bis es soweit ist, versorgen die Schauspieler die Schüler noch mit Hintergrundinformationen. Neben der Windmaschine, dem sogenannten „Techniker-Loch“ und der Hebebühne wird auch das Inspizienten-Pult genauestens unter die Lupe genommen. Sogar einen kurzen Blick in die Kabinen der Schauspieler dürfen die drei erhaschen.

Anschließend verarbeiten die Scouts ihre Eindrücke in der Festspielkantine. „Wenn ich mir eine ,Sturm‘-Rolle aussuchen dürfte, würde ich Ariel spielen“, war sich Michaela Berwanger sicher. Etwas handfester darf es für Jan Frederik sein: „Caliban wäre sicher eine Herausforderung.“

Von Emily Spanel

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