Vor zehn Jahren kam der Euro in unsere Kassen und Portemonnaies - ein Rückblick

Münzen strahlten so hell

Hält Geschichte in der Hand: Manfred Pfister kümmerte sich als Hauptkassierer bei der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg um die Währungsumstellung im Altkreis. Er sei stolz auf seine Arbeit, sagt Pfister. Der 64-Jährige zeigt einen Packen geschredderter D-Mark-Scheine und ein Starter-Kit mit prägefrischen Euro-Münzen, wie es bereits am 17. Dezember 2001 verteilt wurde. Fotos: Auel

Hersfeld-Rotenburg. „Ich dachte, ich bräuchte eine Sonnenbrille, weil das neue Geld in der Kasse so hell strahlte“, scherzt Gundula Schmidtkunz, die zusammen mit ihrer Schwester Brigitte einen Mode- und Kosmetikladen in Rotenburg betreibt.

Die beiden erinnern sich noch relativ gut an die ersten Tage des neuen Zahlungsmittels: „Es war schon so, dass man danach geschaut hat, aus welchem Land das Geld nun kommt“, sagt Brigitte Schmidtkunz.

Chaos am 1. Januar

Ein wenig komplizierter lief es bei Karin Weidemann ab. Sie hatte damals ein Café in Niederaula: „Es herrschte Chaos am 1. Januar“, sagt sie.

Viele Gäste hätten stolz mit dem neuen Geld bezahlen wollen, andere wollten das alte loswerden. Die Bedienungen mussten alles annehmen, durften aber nur in Euro zurückgeben. „Eine ganze Menge Restaurants machten am Neujahrstag erst gar nicht auf, weil sie sich zumindest einem Teil des Geldwirrwarrs entziehen wollten.“ Bis Ende Februar mussten alle Geschäfte noch D-Mark akzeptieren.

Schon bevor der Euro als Zahlungmittel überhaupt im Umlauf war, reiste Ronald Englich von der VR-Bank durch den Landkreis, um als Euro-Beauftragter Schulen, Handwerkern und Vereinen die Sache mit dem neuen Geld zu erklären.

Einkaufswagen löse dich

„Neben ernsten Fragen, wie beispielsweise die Rechnungen nun auszusehen haben, kamen auch eher scherzhafte Zweifel auf, mit welchem Geld man denn jetzt den Einkaufswagen im Supermarkt lösen könnte“, berichtet der Prokurist der Genossenschaftsbank.

Manfred Pfister aus Ersrode ist ebenfalls ein Mann, der den Währungswechsel sehr intensiv erlebt hat. Als Hauptkassierer kümmerte er sich bei der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg um die Einführung des Euros im alten Kreisteil.

„In meinen 46 Dienstjahren hab ich so einen Andrang noch nicht erlebt, selbst an großen Weltspartagen nicht. Teilweise bin ich um halb zwölf nachts erst nach Hause gekommen“, berichtet Pfister, der in seiner Position auch die Einführung der neuen Markscheine und die Ausgabe des Begrüßungsgeldes nach dem Mauerfall betreut hat.

Stolz auf seine Arbeit

Zusammen mit seinem Team hat der heute 64 Jahre alte Rentner täglich bis zu drei Tonnen D-Mark-Münzen aus dem Verkehr gezogen, die Bankautomaten auf die neuen Scheine vorbereitet und die Bevölkerung durch die sogenannten Starter-Kits mit ihren ersten Euros versorgt. „Ich bin sehr stolz, dass ich ein Teil dieses Währungsumtausches gewesen bin“, erzählt der Ruheständler gerührt.

„Ich hab meinen ersten Starterpaket von meinem Opa bekommen und er predigte mir damals, ich soll es ja lange zulassen und nie ausgeben – im Endeffekt hab ich es doch getan und für das Geld eine Zeitschrift gekauft“, gesteht die 19-jährige Isabelle Rosenkranz aus Bebra.

Von Juri Auel

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