Landwirt Reinhard Claus von der Mecklarer Mühle hat sich mit dem Wasser arrangiert

Der Müller und der Müll

Wie eine Hallig: Zwei Tage völlig von Wasser umschlossen war die Fuldamühle vor Mecklar. Foto: Hornickel

Mecklar. Ein Feuerwehrschlauch liegt wie eine schlaffe Riesenschlange vor der Kellertür und windet sich über den Hof bis zur Wiese am Fuldaufer.

Landwirt Reinhard Claus von der Fuldamühle vor Mecklar hat es mal wieder geschafft. Für ihn und seine Familie ist das Fuldahochwasser diesmal deutlich glimpflicher abgegangen als noch vor 15 Jahren oder in 2002.

Die schmale Wirtschaftszufahrt, die seit Samstag nur der Ludwigsauer Bürgermeister in seinem Geländewagen bezwungen hatte, ist wieder problemlos befahrbar.

Obwohl das Anwesen in den Augen von Außenstehenden zwei Tage wie eine Hallig gewirkt hatte, lief bei der Familie Claus nicht einmal der Keller voll.

„Von oben kam nichts herein, aber das Grundwasser drückt durch die Wände“, erklärt Reinhard Claus während er auf der Kellertreppe steht. Kaum hat er seine eigene und die Leih-Tauchpumpe der Feuerwehr aus Meckbach wieder abgestellt, sammelt sich schon wieder knöcheltief klares Grundwasser im Keller.

Abseits des Ärgers ist die Familie Claus nicht wirklich zu Schaden gekommen. Schon am Freitag beobachteten sie den Pegelstand kritisch und brachten alles in Sicherheit, was im Keller hätte geflutet werden können.

Viel wichtiger als die privaten Habseligkeiten waren für Reinhard Claus jedoch die Waren für seine Kunden. Ihren bestellten Dünger, der in Big Packs und Säcken auf Paletten gelagert waren, mussten die Kunden am Freitag in Windeseile abholen.

Jetzt ärgert sich Reinhard Claus in erster Linie darüber, dass seine Wiesen und Äcker voller Müll und Treibholz liegen. „Kein Mensch schneidet mehr Weiden“, schimpft der Landwirt.

Schwäne auf dem Acker

Unklar ist, wie die Winterfrucht auf den Äckern im Fuldatal das Hochwasser überstanden hat. Zumindest freuen sich vor der Mecklarer Ortslage die Schwäne, die auf dem Wasserweg direkt an ihr Kraftfutter heranschwimmen konnten.

„Dafür ist der Rechen der Mühle freigeschwemmt“, freut sich Reinhard Claus.

Im Jahr 2002 war beim Hochwasser das Mühlrad so schwer beschädigt worden, dass sich der Sohn mit dem Vater darauf einigte, das Rad abzubauen. Durch das Mehl aus der Tüte hatte sich die Müllerei nicht mehr rentiert. Gegen Hochwasser waren die Müllersleute noch nie versichert.

Von Kurt Hornickel.

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