Die Hersfelderin Eleonore M. ist einem Mietnomaden aufgesessen – Noch Einzelfälle

Müllberge und Schulden

Bilder des Schreckens für jeden Vermieter: So hat Marco P. das Haus am Lappenlied in Bad Hersfeld hinterlassen. Fotos: privat

Bad Hersfeld. Als Marco P. im September 2008 mit Freundin und dem vier Monate alten Baby in ihr Haus am Lappenlied in Bad Hersfeld einzog, ahnte die Vermieterin Eleonore M. nichts Böses. Im Gegenteil, zwischen dem Volksmusiker P. (Name geändert) und der Hauseigentümerin entwickelte sich zunächst ein fast freundschaftliches Verhältnis.

Anderthalb Jahre später kann davon keine Rede mehr sein. Eleonore M. weiß heute, dass sie Opfer eines Mietnomaden geworden ist. Als P. im Spätherbst 2009 das Weite suchte, hinterließ er nicht nur unbrauchbare Möbel, Hausrat und Müllberge, sondern auch Schulden, die sich laut M. auf etwa 6000 Euro summieren.

Wähnte sich die Hersfelderin zunächst noch alleine mit ihren schlechten Erfahrungen, so hat sie mittlerweile herausgefunden, dass P. eine lange einschlägige Vorgeschichte hat. Sechs ähnlich gelagerte Fälle hat die 51-Jährige recherchiert, bei allen geht es um mehrere tausend Euro Mietschulden und verdreckte Räumlichkeiten. Einmal hatte P. im Keller sogar Tiere zurückgelassen.

Jetzt versucht Eleonore M. auf eigene Faust, von P. Schadenersatz zu bekommen. Angeblich lebt er mittlerweile in Eching, seine Adresse kennt sie nicht. Ihre Klageschriften verfasst M. abends nach der Arbeit selbst, einen Anwalt hat sie nicht. Und sie ärgert sich, wenn ihr P. von seiner Musiker-Website entgegen lächelt, als ginge ihn das alles nichts an.

Helmut Kammerzell, Vorsitzender des Bad Hersfelder Ortsvereins von „Haus & Grund“, hätte Eleonore M. manchen guten Rat beim Umgang mit Mietnomaden geben können. Sein Verein vertritt 700 Mitglieder in Stadt und Umgebung. Von ihnen ist momentan allerdings nur eines betroffen.

Fernsehreif

Von seiner Deutschland-Zentrale hat Kammerzell einen detaillierten Zeitplan erhalten, wie mit zahlungsunwilligen Mietern umzugehen ist, um sie möglichst schnell wieder loszuwerden.

Auch beim Amtsgericht Bad Hersfeld sind Mietnomaden eine noch recht seltene Spezies. Direktor Hermann Eimer spricht von Einzelfällen. „Etwa drei- bis fünfmal pro Jahr kommt es vor, dass Personen vor Gericht stehen, die offenbar schon bei Abschluss des Mietvertrages betrügerische Absichten hegten und die die Wohnung später in verschmutztem oder sogar verwüstetem Zustand verlassen“, erklärte Eimer auf Anfrage unserer Zeitung.

Nach Angaben seines Richterkollegen Michael Krusche seien diese Fälle allerdings „richtig heftig und manchmal auch fernsehreif“. Nur, so stellt Hermann Eimer klar, „sie sind nicht typisch für die Gerichtspraxis.“

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Von Karl Schönholtz

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