Abo-Theater: Musik-Bühne-Mannheim begeistert mit musikalischer Komödie

Ein Mozart zum Kugeln

Die Auftrittsarie der Angela (Daniela Grundmann) hat Mozart (Michael Schneider, links) für sie geschrieben. Die Solisten Eva-Maria Haas, Thomas Jakobs und Thomas Herberich kämpfen um gute Rollen in der neuen Oper.

Bad Hersfeld. Mozart gekonnt in die Neuzeit entführt…! Die gut 300 Besucher in der Stadthalle erlebten in der musikalischen Komödie „Mozart-Kugeln“ aus der Feder von Eberhard Streul und Andreas N. Tarkmann eine skurrile, mit vielen Albernheiten und Kuriositäten gespickte Geschichte rund um Wolfgang Amadeus Mozart, der sich zur Rückkehr ins Erdenreich entschließt.

Schüchternes Genie

An diesem Abend mit „Schmankerln“ aus den schönsten Mozart-Opern ist das schüchterne Genie Wolfgang Amadeus Mozart (Michael Schneider) unter dem Pseudonym seines rückwärts gelesenen Namens und zur Freude von Theaterdirektorin Apolline de Prieur (Ilona Christina Schulz) höchstpersönlich anwesend, fühlt sich allerdings in der ihm unvertrauten Welt sichtlich unwohl. Zum ersten Mal wird der blutarme, verschreckte junge Mann im bekannten Rokokokostüm mit dem modernen, wenig festlich angezogenem Publikum konfrontiert. Er nörgelt über stinkende Kutschen ohne Pferde, das verstimmte Pianoforte und äußert sich entsetzt über den heutigen Musikgeschmack.

Mozarts plötzliches Wiedererscheinen ist besonders für die Solisten und Musiker auf der Bühne ein epochales Ereignis. Sie sind alle furchtbar aufgeregt und gespannt, wie er ihre Leistungen beurteilen wird.

Das Publikum jedenfalls zeigte sich von den gesanglichen Qualitäten der Sopranistinnen Daniela Grundmann und Eva-Maria Haas, Thomas Jakobs (Tenor) und Thomas Herberich (Bass) mehr als angetan. Die Arie des Osmin „Solche hergelaufnen Laffen..“ aus „Die Entführung aus dem Serail“ und das Quartett „Ich bin die erste Sängerin“ aus „Der Schauspieldirektor“ gehörten zu den viel beklatschten Musiknummern im Stück.

Auftrittsarie der Angela

Höhepunkt war allerdings die Auftrittsarie der Angela „Frau Doktor Merkel bin ich ja“ aus „La Clemenca di Angela“. Aus Dankbarkeit für die Einladung ins Kanzleramt hat Mozart beschlossen, für und über die Kanzlerin eine neue Oper zu schreiben.

Die Handlung ist urkomisch: Die im Hosenanzug schwimmende Angela Merkel wird von Josef Ackermann im Porsche Cayenne in die Schweiz entführt und mit ihrer Magd Ursula in einer Felsenhöhle festgehalten, aus der sie der strahlende Heldentenor Guido Westerwelle befreit…! Dieser Stoff gefiel ganz besonders. Da fiel es schon gar nicht mehr auf, dass offene Fragen über das Leben und Ableben des Komponisten nicht beantwortet wurden.

Die gesanglichen und schauspielerischen Leistungen der Solisten und die kompetente Begleitung durch das Instrumental-Ensemble wurden mit lang anhaltendem, begeistertem Applaus belohnt.

Von Gudrun Schmidl

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