Bad Hersfelder Opernfestspiele: „Die Entführung aus dem Serail“ hat heute Premiere

Mozart für Groß und Klein

Die Liebenden und ihr Richter (vorne von links): Bassa Selim (Gunther Emmerlich), Belmonte (Florian Voss), Konstanze (Sujin Lee), Blonde (Lisa Rothländer) und Pedrillo (Jannes Philipp Mönnighoff) erzählen eine Geschichte von Vernunft und Gefühl. Foto: Hartmann

Bad Hersfeld. „Wenn man Mozart inszeniert, ist man auf dem Weg der Wahrheit“, erklärt Regisseur Hugo Wieg beim Gespräch über seine Inszenierung der Mozart-Oper „Die Entführung aus dem Serail“ in der diesjährigen Spielzeit der Oper in Bad Hersfeld.

In der Stiftruine erwartet die Opernbesucher die Geschichte der jungen spanischen Edelleute Konstanze (gespielt von Sujin Lee, die in der vergangenen Spielzeit die Gilda in „Rigoletto“ gab) und Belmonte (Florian Voss) sowie des Dienerpaares, der Zofe Blonde (Lisa Rothländer) und des Dieners Pedrillo (Jannes Philipp Mönnighoff).

Konstanze, Blonde und Pedrillo werden auf einer Schiffsreise von Piraten überfallen und auf einem Sklavenmarkt an den Bassa Selim, einen zum Islam konvertierten Christen, verkauft. Dieser findet vor allem an Konstanze Gefallen und versucht vergeblich ihre Liebe zu gewinnen. Als Belmonte anreist um die Vermissten zu befreien, gelangt er unter einem Vorwand in den Serail und versucht dort mit Pedrillo, an Osmin, dem Gehilfen des Bassa Selim, vorbeizugelangen.

Gemeinsam mit Blonde versuchen Belmonte und Pedrillo, diesen zu überlisten. Der Plan geht auf, und es gelingt Belmonte mit Pedrillo, den Serail zu verlassen. Die Männer erwarten auf einem Schiff den Einbruch der Nacht.

Nach Einbruch der Nacht versuchen die Männer mit dem Schiff zur Außenseite des Harems zu gelangen, um ihre Herzensdamen zu retten. Sie werden von Osmin entdeckt, und es droht ihnen der Tod. Doch Bassa Selim lässt Vernunft über Rache walten und es kommt zu einem glücklichen Ende.

Spielzeit der starken Frauen

Hugo Wieg sieht in dieser Geschichte, wie auch in vielen anderen Opern, die Frauen als Beispiele für vernünftiges und offenes Handeln. Die beiden weiblichen Hauptfiguren in der „Entführung“ seien in ihrer Art aber vollkommen anders, als die sinnlich-provokante Carmen. Konstanze und Blonde lösen hier Probleme durch fühlendes Begreifen.

Diese Fähigkeit bewundert Wieg am weiblichen Geschlecht und sieht zudem in der „Entführung“ das junge, aufkeimende Pflänzchen der Aufklärung sowie Konflikte europäischer und abendländischer Kultur gespiegelt. Konflikte und Thematiken also, die nicht unmodern werden.

Zwei Schüleraufführungen

Vor allem die Auseinandersetzung mit dem Tod spiele in Mozarts „Entführung aus dem Serail“ eine große Rolle, erklärt Wieg auch mit Blick auf eine weitere Besonderheit dieser Spielzeit. In diesem Jahr finden am Samstag, 10. August und Mittwoch, 21. August um jeweils 11 Uhr, zwei Aufführungen der „Entführung“ speziell für Schüler statt.

Gemeinsam mit Gunther Emmerlich, der den Bassa Selim gibt, hat Hugo Wieg an der Kinderfassung gearbeitet. Diese lasse Todesthematiken und Seelenzustände, die nur Erwachsene begreifen, bewusst außen vor. „Die Entführung aus dem Serail“ sieht Hugo Wieg auch als die Mozart-Oper, welche am engsten mit dessen Biografie verknüpft ist. Hier sei Mozarts eigener Weg in die künstlerische Selbstständigkeit und aus dem Einfluss des dominanten Vaters heraus verarbeitet.

Der Regisseur schätzt den Spielort, die Stiftsruine, sehr. Dort möchte er die gesamte Bühnenfläche bespielen und bringt auch die gesamte Kulisse durchgängig auf die Bühne.

Neben Gunther Emmerlich, in einer Sprechrolle, dominieren Wiegs Besetzung der Oper die vier jungen Solisten. „Mozart besetzte selbst gerne jung“, erklärt er. Junge Darsteller seien noch nicht in alten Opernklischees verhaftet, und er habe seinen Solisten nahe gelegt, sich beim Spiel vollkommen aufeinander einzulassen und zu öffnen.

Neben den neuen Gesichtern verlässt Wieg sich aber auch auf ein eingespieltes Team aus Orchester, Tänzern und Chor. Die Premiere von „Die Entführung aus dem Serail“ ist am heutigen Donnerstag, 8. August, um 20.30 Uhr.

Von Sabrina Ilona Teufel

Bad Hersfelder Opernfestspiele - Die Entführung aus dem Serail

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