Vertrag ist Vertrag: Bad Hersfelder unterliegt vor Gericht

Morgengabe: Bad Hersfelder muss 50.000 Euro an Ex-Frau zahlen

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Bad Hersfeld. Vertrag ist Vertrag – das entschied jetzt die Familienrichterin am Amtsgericht Bad Hersfeld im Fall einer sogenannten Morgengabe, bei der eine iranische Frau von ihrem geschiedenen Ehemann Goldmünzen im Wert von rund 50 000 Euro forderte.

Das Geld soll der seit elf Jahren wieder in ihrer Heimat lebenden Frau als Altersvorsorge und Entschädigung dienen. Die 38-Jährige hatte sich dabei auf eine in der Heirats- wie auch in der Scheidungsurkunde verankerte Vereinbarung berufen, die den Ehemann zur Zahlung der Münzen verpflichtete.

Insgesamt verlangt die Klägerin von ihrem Ex-Gatten, einem 49-jährigen Geschäftsmann aus Bad Hersfeld, 814 Goldmünzen im Gesamtwert von mehr als 300 000 Euro. Zunächst ging es jedoch vor Gericht nur um einen Teil der Münzen.

Diese muss der Hersfelder nun bis Ende dieses Jahres herausgeben, ersatzweise deren Geldwert in Euro.

Nach Auskunft von Gerichts-Pressesprecher Dr. Rolf Schwarz hat der 49-Jährige gegen die Entscheidung bereits Beschwerde eingelegt, so dass sich nun das Oberlandesgericht mit dem Fall beschäftigen muss. Die Hersfelder Richterin hat deshalb das mittlerweile ebenfalls anhängige Verfahren um den größeren Rest der Münzen erst einmal ausgesetzt.

Obwohl es sich bei der Morgengabe um eine islamische Tradition handelt, wurde in Bad Hersfeld unter Berufung auf die ehevertragliche Vereinbarung nach deutschen Recht entschieden.

Bei der mündlichen Verhandlung Ende Februar hatte der Beklagte geltend gemacht, dass er und seine Frau nach der Hochzeit im Iran 2004 zwar für kurze Zeit in Bad Hersfeld zusammengelebt hätten, die Ehe jedoch nie vollzogen worden sei. „Ich habe im Gästezimmer geschlafen“, hatte der Hersfelder damals erklärt. Seine Frau sei psychisch krank gewesen und nach wenigen Wochen wieder in den Iran zurückgekehrt. 2007 wurde die Ehe geschieden.

Von Karl Schönholtz

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