Montagsinterview mit Ulli Meiß, dem Leiter zweier Bad Hersfelder Schüler-Ensembles

Mehr als nur die Musik

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Hier spielt die Musik: Ulli Meiß hat in der Einfahrt seines Hauses in Unterhaun ein unmissverständliches Zeichen gesetzt.

BAD HERSFELD. Mit vollem Namen nennen sich seine musizierenden Schüler „Chor der Modell- und Gesamtschule Obersberg“ sowie „Blechbläser- Ensemble der Modell- und Gesamtschule Obersberg und Konrad-Duden-Schule“. Hinter dem Wortungetüm steckt seit vielen Jahren das außerordentliche Engagement von Ulrich Meiß. Wir sprachen mit ihm über Stolz, Werte und Disziplin.

Herr Meiß, wenn der doch etwas komplizierte Name ihrer Ensembles auf den Begriff „Ulli- Meiß-Chöre“ verkürzt wird, macht Sie das stolz?

ULRICH MEISS: Ich akzeptiere es, und es macht auch ein wenig stolz. Aber mir ist eigentlich wichtiger, dass sich die Schüler über die Musik mit Miden einzelnen Schulen identifizieren können, nicht nur mit meiner Person. Dass es natürlich einen gibt, der vorangeht, und dass man vonseiten der Presse versucht, den Namen zu bündeln, das ist auch verständlich.

Wer die Konzerte besucht, der sieht natürlich, dass das alles nicht alleine zu leisten ist. Wer steckt also noch hinter den Ulli-Meiß-Chören?

MEISS: Das ist nämlich der Nachteil, dass dieser Name auf meine Person reduziert wird. Denn ohne meinen kompetenten und tüchtigen Mitarbeiterstab wäre das alles nicht zu schaffen. Es sind ganz viele junge engagierte Kollegen beteiligt, zum Beispiel Silke Pfannkuch, Martin Gellert oder Dirk von Sierakowsky, die am längsten dabei sind. Sie und viele andere sind alle bereit, Freizeit zu opfern im Bereich der Organisation und der musikalischen Ausbildung. Und alle identifizieren sich genau wie ich mit dieser tollen Sache.

Die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit findet vor allem durch das Abschlusskonzert der Festspiele und die Adventskonzerte statt. Sie stellen jedoch viel mehr auf die Beine...

MEISS: Das sind zunächst einige schulinterne Anlässe, aber mittlerweile überwiegen schon die Events in der Öffentlichkeit. Wir haben sehr viele Anfragen und versuchen, was immer geht, auch wahrzunehmen. Darüber hinaus sind jedoch die Reisen nicht zu vergessen und ganz wichtig für uns, weil sie den Jugendlichen einzigartige interkulturelle Erfahrungen ermöglichen. Wir waren mit beiden Ensembles 39-mal in 28 verschiedenen Ländern auf fünf Kontinenten unterwegs.

Es geht dabei zwar in erster Linie, aber nicht nur um Musik. Was wollen Sie und ihre Kollegen den jungen Leuten noch vermitteln?

MEISS: Das sind immer zwei Dimensionen. Eine künstlerische, die mit der Ausbildung der Jugendlichen bezogen auf den Instrumentalunterricht und die Ausbildung der Stimme zu tun hat. Da geben wir den Schülern ganz viel Rüstzeug mit und fördern Begabungen. Die andere Sache ist eindeutig die erzieherische Komponente. Wir versuchen sehr viele soziale Tugenden zu vermitteln und geben den Schülern Halt und Orientierung während ihres Erwachsenwerdens. Die Schüler lernen, sich einzuordnen, auch mal unterzuordnen und sich anzustrengen. Sie lernen bei uns auch soziales Engagement – und dies geschieht alles in ihrer Freizeit und mit großer Begeisterung!

Junge Leute sind aber immer junge Leute, und die schlagen auch mal über die Stränge. Wie streng müssen Sie sein?

MEISS: Es muss eine gute Mischung sein. Denn die Strenge, die erforderlich ist, wenn man in einer Gemeinschaft seinen Platz finden muss, bedeutet eigentlich nur die Wahrnehmung von Pflichten. Ohne Pflichten und Zuverlässigkeit würden nämlich viele Dinge in der Gesellschaft nicht mehr laufen. Das muss man herausfordern und auch mal einklagen. Dabei muss man auch transparent machen, dass es etwas Gutes für sich hat und notwendig ist. Ich denke mal, das haben unsere Jugendlichen begriffen.

Gibt es ein Lied oder ein Stück, das Ihnen am Herzen liegt und das es noch nie ins Konzertprogramm geschafft hat?

MEISS: Ja, aber das möchte ich hier nicht verraten. Wir haben auch im nächsten Jahr einige schöne Dinge vor, aber das Konzertprogramm bleibt bis dahin unser Geheimnis.

Es ist nicht ganz leicht, Ulli Meiß zu erreichen, denn der scheint immer im Einsatz zu sein. Was aber haben Sie am gestrigen Sonntag gemacht?

MEISS: Den Tag habe ich mit meiner Familie verbracht. Wenn die Konzerte anstehen, bleibt kaum Zeit für etwas anderes. Umso mehr genieße ich an freien Tagen die Zeit mit meiner Familie. Und das ist mir ganz wichtig.

ZUR PERSON

ULRICH MEISS, Jahrgang 1961, stammt aus Obersuhl. Das Abitur bestand er an der Jakob- Grimm-Schule in Rotenburg. Studiert hat er Deutsch und Musik in Paderborn und Detmold. Sein Referendariat absolvierte er in Fulda. Seit 1995 unterrichtet er an der Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld Musik. Der Studiendirektor ist darüber hinaus Fachleiter für die Ausbildung der Musikreferendare in Fulda – eben dort, wo Meiß einst selbst lernte. Ulli Meiß ist verheiratet und hat einen Sohn. Er lebt in Unterhaun. (ks) 

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