Versteigerung der Luisenschule: Einer hat das Gebäude, der andere die Zugänge

Monopoly am Neumarkt

Das Grundstück vor der ehemaligen Luisenschule am Neumarkt hat gestern eine Gesellschaft aus Pattensen ersteigert, die Hauptfläche samt Gebäude jedoch ein Bieter aus Kassel. Sinnvoll nutzen lässt sich das Areal aber nur, wenn alles in einer Hand ist. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Beim Brettspiel-Klassiker Monopoly gilt: Nur wer alle Straßen einer Stadt sein eigen nennt, darf Häuser und Hotels bauen. Auf Bad Hersfeld übertragen heißt das: Das Gebäude der Luisenschule am Neumarkt alleine nützt nicht viel, man benötigt als Zugänge auch die Grundstücke davor und dahinter.

Doch das hat beim gestrigen Zwangsversteigerungstermin im Amtsgericht zur allgemeinen Verblüffung nicht geklappt: Das mit einem Verkehrswert von knapp 1,9 Millionen Euro veranschlagte Kulturdenkmal nebst 1704 Quadratmetern Grund ging nach heftigem Bieter-Wettstreit für 1,03 Millionen Euro an die Luna Capital Consult GmbH in Kassel.

Bei der Versteigerung zweier Randgrundstücke hatte allerdings die M. Consulting GmbH aus Pattensen mit 170 000 Euro die Nase vorn. Diese beiden Flächen von 133 und 206 Quadratmetern liegen vor dem Gebäude zum Neumarkt hin beziehungsweise dahinter als Zufahrt vom Parkplatz der Neuhaus-Schule her.

Dass eine wirtschaftliche Nutzung des Areals nur mit dem Eigentum von Hauptgrundstück und Randflächen möglich ist, hatte Rechtspfleger Matthias Werner gleich zu Beginn der Versteigerung ausgeführt.

Als sich das sinnlos erscheinende Ergebnis abzeichnete, suchten zwar beide Parteien das Gespräch, doch zu einer Verständigung kam es bis zum Ende der Bietstunde nicht.

Die Gläubiger, der Goldman-Sachs-Ableger Archon Group (Frankfurt/M.), beantragten daraufhin die Aussetzung des Zuschlags. Der hätte im Falle der beiden Randgrundstücke ohnehin nicht gleich erteilt werden können, weil der gebotene Betrag unter der 5/10-Grenze lag und deshalb die Zustimmung des Noch-Eigentümers erforderlich ist. Verkündungstermin ist nun der 26. Oktober.

Rechtspfleger Werner forderte alle Beteiligten auf, bis dahin nach einer Lösung zu suchen, damit die Grundstücke in einer Hand bleiben können. Was Werner nicht sagte: Wie eine solche Lösung aussehen kann, ist in den Spielregeln von Monopoly nachzulesen.

Von Karl Schönholtz

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