HZ-Interview mit dem Schriftsteller Dr. Heiger Ostertag über seinen Hersfeld-Krimi

Ein mörderisches Mosaik

Ein Mann mit mörderischer Phantasie: Der Schriftsteller Dr. Heiger Ostertag wurde 1953 in Itzehoe geboren. Er hat Skandinavistik, Germanistik und Geschichte in Freiburg studiert und arbeitete als Dozent für Geschichte in München und in der Forschung am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg. Er hat einige Sachbücher und Romane veröffentlicht. Im HZ-Jubiläumsjahr hat er vor dem Krimi bereits Kurzgeschichten für unsere Zeitung geschrieben. Dabei ging es auch um einen Mord mit Stracke, den unser Foto aus dem Kettengässchen illustriert. Auch diese Kurzgeschichten sind als Anhang in dem Buch veröffentlicht. Foto: Jana Schiller

Herr Ostertag, in Ihrem Hersfeld-Krimi gibt es viel Lokalkolorit, und Sie glänzen mit viel Insider-Wissen. Wie macht man das, wenn man doch gar nicht aus der Stadt ist, sondern wie Sie in Süddeutschland lebt?

Dr. Heiger Ostertag: Man muss in die Stadt fahren, sich umschauen, vor allem mit den Menschen vor Ort sprechen. Aber natürlich findet man auch in Büchern und im Internet sehr viele Informationen über Bad Hersfeld.

Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass auch die Hersfelder Zeitung eine wichtige Quelle für Sie war?

Ostertag: Ja, ich hatte die HZ im Abonnement, weil ich minutiös die Tage rund um das Lullusfest, an denen das Buch spielt, rekonstruieren wollte. Zum Beispiel war ich selbst gar nicht beim Lolls-Ball, aber dafür viele meiner Informanten. Außerdem hat die Zeitung ja sehr umfänglich berichtet.

Woher stammt die eigentliche Idee zur Krimihandlung, die sich um Menschen- und Drogenhandel dreht?

Ostertag: Ich habe mir die Region zunächst ganz genau angeschaut. Seit der Wiedervereinigung ist Bad Hersfeld ja ins Zentrum Deutschlands und Europas gerückt, und viele wichtige Nord-Süd und Ost-West-Verkehrslinien gehen hier durch. Außerdem habe ich in Gesprächen von ähnlichen Vorfällen in der Region gehört. Das Buch hat also einen ganz realen Hintergrund.

Wie viele Seiten schreiben Sie denn so pro Tag?

Ostertag: Das ist ganz unterschiedlich. Wenn es gut läuft bis zu 20 Seiten. Danach lasse ich das Material aber immer für einige Zeit liegen, um dann mit einem anderen Blickwinkel noch einmal ranzugehen. Mit der Arbeit an dem Hersfeld-Krimi habe ich nach dem Lullusfest begonnen, das Manuskript nach einiger Zeit überarbeitet und dann von Ortskundigen in Bad Hersfeld gegenlesen lassen. Das ist ganz wichtig.

Es ist ja sicher auch ein Wagnis, einen Lokalkrimi zu schreiben, denn man kann dabei in viele Fettnäpfchen treten, oder?

Ostertag: Das stimmt, aber es ist inzwischen der siebte Lokalkrimi den ich schreibe, und das Verfahren ist immer ähnlich. Ich nehme vor Ort Kontakt mit Einheimischen auf, mit Behörden, gehe in Archive und gern auch zur örtlichen Zeitung und sammle so Informationen.

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig oder auch gewollt, heißt es im Vorspann. Tatsächlich trifft man im Buch viele Bekannte. Wie reagieren die denn darauf, wenn Sie von Ihnen unter Mordverdacht gestellt werden oder gleich selbst die Leiche sind?

Ostertag: Die Betreffenden habe ich natürlich vorher gefragt. Wir wollen hier noch nicht zu viel verraten, aber es ist doch klar, dass alle unter Verdacht geraten, wenn jemand aus der Redaktion ermordet wird.

Naja, ein bisschen beleidigt bin ich schon, dass Sie Redaktionsleiter Uwe Stradtler offenbar für zu alt für eine heiße Affäre mit einer jungen Praktikantin halten...

Ostertag: (lacht) Das kommt nicht von mir, sondern von den vielen Informanten, die mich per E-Mail mit Details aus der Redaktion versorgt haben und so ein vielschichtiges Mosaik geformt haben.

Kommen Sie denn demnächst nach Bad Hersfeld oder trauen Sie sich nicht mehr in diese mörderische Stadt?

Ostertag: Doch, ich wage mich schon wieder dahin. Ich werde zu den Festspielen kommen, und außerdem will ich auch versuchen, zum Lullusfest im Oktober zu kommen.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ostertag: Ich habe ein sehr breites Arbeitsspektrum. Hauptsächlich beschäftige ich mich mit historischen Romanen. Aber ich habe auch viele andere Ideen und Projekte, die ich über Jahre plane.

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