Shaolin begeistern mit Konzentration und Kampfkunst

Mönche lassen’s krachen

Eine Choreographie des Kampfes: Die Shaolin-Mönche zeigten auf der Bühne der Stadthalle ihr Können. Fotos: Strecker

Bad Hersfeld. Mit wehenden grauen Gewändern stürmen zehn Männer die Stufen eines chinesischen Tempels hinunter und auf die Bühne der Bad Hersfelder Stadthalle. Ihre Münder vom Kampfgeschrei verzerrt, schwingen sie ihre Holzstäbe in Kreisen durch die Luft, bücken sich in Angriffsstellung. Tom Rudolph aus Niederaula sitzt im Publikum, ballt die Fäuste und rutscht auf seinem Stuhl herum. Den kleinen Jungen begeistern die Shaolin-Mönche mit ihrer Kung Fu Show.

„Ich weiß nicht, ob ich mal so einer werde“, sagt er in der Vorstellungspause, streckt eine Faust vor und balanciert von einem Fuß auf den anderen. Gerade hat er zusammen mit seinem Vater die ausgestellten Holzschwerter, Perlenarmbänder und Buddhas der Shaolin im Foyer der Stadthalle bewundert. „Ich habe ja kein Schwert. Leider. Ich mache nämlich schon Karate“, sagt er und erzählt stolz, dass er schon den weiß-gelben Gürtel hat. Um ihn herum stehen Eltern und Großeltern, die zu ihm herunter lächeln. „Ich muss ihn schon festhalten. Am liebsten würde Tom aufspringen und mitmachen“, sagt dessen Vater.

Und der blonde Junge ist nicht das einzige Kind, das in der Stadthalle immer größere Augen bekommt, als einer der Shaolin-Mönche von der Bühne springt und einen massiven Holzstab in Richtung der Zuschauer in der ersten Reihe streckt. Jungen, Mädchen und deren Eltern streichen mit ihren Fingern darüber. Nicken. Ja, das ist alles echt. Zwei Minuten später wirbeln Holzsplitter über die Bühne, als ein Mönch den Stab mit seinem Arm durchtrennt. Ein anderer schleudert seinen Stab so hart gegen den Oberkörper eines Shaolin, dass er zerbirst und in drei Teilen auf dem Boden landet.

Und zusammen mit dem künstlichen Nebel wabert auch ein Hauch von Mythos durch den Saal, als der Erzähler zwischen den Kampf-Choreographien und den ruhigen Meditationsphasen Geschichten und Fakten über die chinesischen Kampfmönche vorträgt. So glauben die Shaolin daran, dass sie ihre Kraft aus der Energie der Natur um sie herum ziehen. Außerdem führten sie beispielsweise die wichtigsten Kampfstile vor, die den Bewegungen von Tieren nachempfunden sind. Und einige Zuschauer zum Kichern brachten. Genauso wie das Kunststück, ganz entspannt auf einem Brett Nägel zu liegen.

Die mystisch angehauchte Kung Fu Show der Shaolin begeisterte mit ihrer Mischung aus fleischgewordener Legende, Action und Wissensvermittlung. Und um es mit den Worten einer Zuschauerin zusammenzufassen: „Wenn ich es schaffe, einmal so entspannt zu sein, dann habe ich es geschafft.“

Von Judith Strecker

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