HZ-Interview mit dem Wahlverlierer Gunter Müller (SPD)

Ich möchte hierbleiben

Lange Gesichter: Gunter Müller (rechts) erfährt das Wahlergebnis.

Bad Hersfeld. Am Tag danach ist Wahlverlierer Gunter Müller schon wieder in seiner Kanzlei in Leipzig. Es gibt dort viel zu regeln, verriet er im Interview mit Kai A. Struthoff.

Herr Müller, wie haben Sie die bittere Wahlniederlage verdaut?

Gunter Müller: Ich habe erstmal meine Familie getröstet. Meine Söhne hatten im ersten Moment das Gefühl, dass alles zusammenbricht, was wir hier aufgebaut haben. In dem Moment ist man nur Vater. Ich habe ihnen gesagt, es geht weiter, und es geht hier in Bad Hersfeld weiter. Das hatte ich versprochen. Ich muss jetzt sehen, wie ich das organisiere.

Wir haben gehört, dass die SPD Sie zum ersten Stadtrat machen will. Stimmt das?

Müller: Davon weiß ich nichts. Das entspricht auch nicht der Hauptsatzung der Stadt Bad Hersfeld. Dazu müsste das Parlament erst die Weichen stellen. Ich habe darüber jedenfalls noch nie nachgedacht.

Sie haben aber wahrscheinlich darüber nachgedacht, warum es trotz Klinkenputzens nicht zum Sieg gereicht hat?

Müller: Ich habe auf den Straßen und in den Wohnungen von den Menschen hier einen ungeheuren Zuspruch erfahren. Deswegen war die Niederlage für mich überraschend. Offenbar sind viele ältere und alleinlebende Menschen dann letztlich doch nicht zu Wahl gegangen.

Offenbar ist es aber auch der SPD nicht gelungen, Ihre Anhänger zu mobilisieren, oder?

Müller: Ich glaube, viele SPD-Wähler waren sehr wohl an den Urnen. Außerdem ist heutzutage eine Wahlbeteiligung von 50 Prozent bei so einer Direktwahl gar nicht so gering. Ich will nichts schönreden, aber an der Mobilisierung lag es nicht.

Woran lag es dann?

Müller: Vielleicht daran, dass die Gegenseite eine Kampagne gegen mich als Person geführt hat. Offenbar hat die Konservativen in dieser Stadt nur das eine Ziel geeint, einen SPD-Bürgermeister zu verhindern. Denn sonst gibt es für diesen Zusammenschluss keine gemeinsame Plattform. Ohne die SPD wird es aber auch weiterhin keine Möglichkeit geben, die Dinge hier voranzubringen.

Was wünschen Sie Thomas Fehling für sein Amt?

Müller: Gesundheit, damit er das durchsteht. Und ich hoffe, dass er sein Versprechen hält, die soziale und ökologische Erneuerung Bad Hersfelds voranzubringen. In seiner Wahlwerbung hat er seine Verbundenheit mit der Kirche und den Vereinen betont. Ich erwarte, dass er sich jetzt auch um sie kümmern wird.

Und wie geht es jetzt bei Ihnen weiter?

Müller: Ich habe viele neue Freunde in Bad Hersfeld gefunden. Meine Familie und ich, wir fühlen uns hier sehr wohl. Wir möchten gern hierbleiben. Ich versuche jetzt, das beruflich zu regeln, denn ich will mich auch politisch in der Stadt weiter engagieren und Verantwortung übernehmen.

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