Alternative zur Verpachtung: Erstmals die Pirsch als Auftragsarbeit

Moderne Wilddiebe lassen für sich jagen

Hersfeld-Rotenburg. Die goldenen Zeiten für die Jagdgenossenschaften im Landkreis sind vorbei: Jäger, die ein Revier pachten wollen, drücken auf die Kostenbremse und drängen darauf, dass in den neuen Kontrakten die Jagdpacht abgesenkt und Entschädigungszahlungen für Wildschäden gedeckelt werden.

Damit Grund und Boden von Privatleuten und Institutionen ohne Jagdausübung nicht verwildern, hat der Gesetzgeber den Jagdgenossenschaften die Möglichkeit zur Eigenbewirtschaftung eröffnet. „Zumindest für eine Übergangszeit ist es besser, das klassische Waidwerk selbst zu regeln, als sich langfristig einem schlechten Pachtverhältnis auszuliefern“, meint Carsten Mawick, der als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger die Jagdgenossenschaften bei der Vertragsgestaltung berät.

Pächter räumte ab

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg setzt bislang allein die Jagdgenossenschaft Kathus auf das Modell der Eigenbewirtschaftung. Notgedrungen.

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Im Frühjahr 2010 endete das Bündnis zwischen einem Bauunternehmer, der den 290 Hektar großen Jagdbezirk gepachtet hatte, und der Jagdgenossenschaft im Stadtteil der „Wilddiebe“, wie sich die Kathuser selbst titulieren. Die Höhe des Wildschadens-Ersatzes entzweite die Landbesitzer und den Feierabend-Jäger. Der Pächter räumte alle Hochsitze aus Feld, Wald und Flur ab und die 184 Kathuser Jagdgenossen standen im Regen. Kein Nachfolger war bereit, zu den alten Konditionen das Waidwerk auszuüben, Pacht zu zahlen und die Schäden zu ersetzen, wenn Wildschweine im Mais getobt oder Rehe in den Hausgärten geknabbert haben. Keine Aussicht auf kostendeckende Einnahmen, aber weiter die volle Haftungspflicht – dieser Konflikt kommt 2012 auf rund 10 Prozent der 125 Jagdgenossenschaften im Kreis zu, die neu verpachten müssen. ZUM

Von Kurt Hornickel

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