Modellschule will Bücherschatz heben

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Literarische Schätze: Schulleiter Karsten Backhaus mit einem Teil der Bibliothek der Modellschule Obersberg. Dabei gehören die hier gezeigten Bücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert noch zu den „jüngeren“ des Bestandes.

BAD HERSFELD. Die Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld will ihren Bücherschatz zugänglicher für die Öffentlichkeit machen. Im Gebäude des Schulzentrums lagert seit der Einweihung 1973 die komplette Bibliothek der ehemaligen Lehrerbücherei der Bad Hersfelder Klosterschule.

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Hersfelder Klosterschule. Unter den ungefähr 30 000 Bänden befinden sich beispielsweise Handschriften von Thomas von Aquin und Konrad Duden, außerdem eine komplette Latein- und Griechisch- Bibliothek. Die ältesten der Bücher stammen aus dem 15. Jahrhundert. „Das ist ein unschätzbarer Wert“, sagt Karsten Backhaus, seit Beginn des Schuljahres Leiter der MSO. „Diese Bibliothek ist einzigartig in Hessen, wenn nicht sogar in Deutschland.“ Auch unzählige Schülerakten und jahrhundertealte Schulprogramme stehen in den Regalen.

Bisher haben jedoch nur Wenige Zugang zu den literarischen Schätzen bekommen. Für wissenschaftliche Recherchen haben ab und zu Historiker oder Studenten Einsicht in die Bücher erhalten. Doch in Abstimmung mit dem Landkreis will Karsten Backhaus die Bibliothek nun für die Öffentlichkeit zugänglicher machen.

H I N T E R G R U N D

Noch Werke aus Klosterbestand Die Modellschule Obersberg ist offiziell Rechtsnachfolgerin der Alten Klosterschule in Bad Hersfeld. Deshalb wurde deren umfangreiche Bibliothek nach der Schließung 1973 in die neu gebaute MSO überführt. Die Klosterschule wurde 1570 von Abt Michael, einem der letzten Äbte der Reichsabtei Hersfeld, gegründet und mit einer reichen Stiftung aus dem Abtsvermögen ausgestattet. Aus deren Zinserträgen wurde auch die Anschaffung von Büchern bezahlt. Manche davon stammen wahrscheinlich noch aus dem Bestand des ehemaligen Benediktinerklosters im Stift. Während des Dreißigjährigen Krieges im 17 Jahrhundert wurden offenbar viele wertvolle Werke gestohlen.

„Es ist klar, dass da Geld in die Hand genommen werden muss“, sagt der Schulleiter. „Wir müssen jetzt erst mal sehen, was möglich ist.“ Wichtig ist Backhaus dabei, dass die Bücher ihren Bezug zur Modellschule Obersberg behalten. „Je näher, desto besser“, sagt er. Denkbar wäre laut Karsten Backhaus aber auch, einzelne Stücke an Ausstellungen auszuleihen. Vorher müsste der Bücherbestand jedoch von einem Experten begutachtet und teilweise restauriert werden. Bei 30 000 Bänden eine Mammut- Aufgabe, für die bisher das Geld gefehlt hat. „Dieses Projekt können wir nicht von heute auf morgen stemmen“, erklärt Karsten Backhaus. „Aber der Wille ist nun auf jeden Fall da.“

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