Missverständnisse, Ausreden, Gerüchte und der Platz zwischen den Stühlen

Kai A. Struthoff

Da sag noch einer, Werbung in der Tageszeitung würde nicht auffallen: Ein kleiner Sturm der Empörung ist am Samstag vor der Landratswahl über unsere Zeitung hereingebrochen. Einige Leser beschwerten sich darüber, dass die HZ angeblich zur Wahl von Dr. Michael Koch aufrufen würde. Auslöser der Proteste war der kleine Werbeaufkleber, den unsere Zeitung an diesem Tag auf der Titelseite hatte.

Dieser Aufkleber war Wahlwerbung der CDU und selbstverständlich auch von der Partei bezahlt. Offenbar konnten aber leider viele unserer treuen Leser mit dieser noch recht neuen, weil bislang technisch nicht realisierbaren, Werbeform etwas anfangen. Und zugegeben: Das kleine Wörtchen „Anzeige“ auf dem Aufkleber hätte sicher einige Irritationen vermieden. Wir geloben Besserung.

Wegen der CDU-Wahlwerbung allerdings gleich die Überparteilichkeit und Unabhängigkeit unserer Zeitung in Frage zu stellen, das führt nun wirklich zu weit. Tatsächlich haben wir uns im Wahlkampf bemüht, alle Kandidaten ausführlich vorzustellen. Am Tag vor der Wahl hatten SPD-Bewerberin Elke Künholz und CDU-Kandidat Michael Koch die Möglichkeit, sich noch einmal mit großen, fast genau gleichlangen Interviews zu Wort zu melden. Eine einseitige Bevorzugung eines Kandidaten gab es bei uns nicht – aber sie wird Journalisten unterstellt, solange es Zeitungen gibt. In meinen über 25 Berufsjahren bin ich schon als Roter, Grüner und Schwarzer beschimpft worden – manchmal sogar für den selben Beitrag. Eigentlich muss es genauso sein: Zwischen allen Stühlen sitzen kritische Journalisten am liebsten.

Nun haben wir also einen neuen Landrat – auch wenn er nur von etwa einem Fünftel der Bevölkerung gewählt wurde. Das grämt übrigens Dr. Michael Koch vermutlich selbst am meisten, denn er hatte sich eine möglichst breite Legitimation durch die Bevölkerung gewünscht. Wer nicht zur Wahl geht, ist selber schuld. Politikverdrossenheit ist nur eine billige Ausrede für die eigene Bequemlichkeit, sich nicht mit den politischen Inhalten auseinandersetzen zu wollen. Wer nicht wählen war, braucht sich aber auch nicht darüber zu beschweren, dass „die da oben“ ohnehin machen, was sie wollen.

Der Grebe-Keller ist sicher einer der urigsten Veranstaltungsorte unserer Stadt. Kein Wunder, dass viele Künstler das romantische Gewölbe gern für Veranstaltungen im fast intimen Rahmen nutzen. Doch damit soll angeblich Schluss sein, denn der Grebe-Keller hat offiziell keine Betriebserlaubnis. Das bestätigte Bürgermeister Thomas Fehling.

Heftig dementiert hat er allerdings die Gerüchte, die gleichfalls durch die Stadt geistern, wonach angeblich der neue Intendant Dieter Wedel die „Konkurrenz“ des Kellers für die Festspiele fürchte, oder dass Fehling die Veranstaltungen verbieten will, um damit Ex-Intendant Holk Freytag eins auszuwischen. Alles Quatsch, beteuert Fehling.

Ihm gehe es einzig und allein um die Sicherheit der Besucher. Nach Informationen unserer Zeitung hat die Familie Grebe allerdings inzwischen viel Geld und Zeit in die behördlich verordneten Nachbesserungen gesteckt. So wurden beanstandete Mängel bei der Elektrik behoben und die Beleuchtung verbessert.

Joachim Grebe hofft nun darauf, in einem persönlichen Gespräch mit dem Bürgermeister bestehende Irritationen ausräumen zu können und die Betriebserlaubnis für diesen schönen Veranstaltungsort zu erhalten. Es wäre doch wirklich ein dickes Ei, wenn das nicht gelingen sollte.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!

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