Missbrauch: Stiefvater muss vier Jahre ins Gefängnis

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Bad Hersfeld/Fulda. Weil er seine Stieftochter in insgesamt 78 Fällen sexuell missbraucht hat, hat das Landgericht Fulda einen 44 Jahre alter Arbeiter aus Bad Hersfeld zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Der Täter blickt starr geradeaus, als die Zweite Strafkammer des Landgerichts Fulda am Dienstagnachmittag ihr Urteil verkündet: Für den Angeklagten, der seine zur Tatzeit zehn bis 13 Jahre alte Stieftochter über fast vier Jahre lang missbraucht hatte, gibt es keine Bewährung mehr. Selbst die Verteidigung hatte eine Strafe von dreieinhalb Jahren beantragt, die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage hatten sogar eine Strafe von sieben Jahren gefordert.

In seinem letzten Wort hat der Angeklagte die Taten bedauert und gesagt, er habe die schweren Folgen seines Missbrauchs für das Opfer nicht ahnen können. Er kündigt an, er werde die Strafe akzeptieren.

Das Landgericht begründet sein Urteil auch damit, dass das heute 27 Jahre alte Opfer bis heute unter den Folgen der Tat leidet. „Die Folgen für das Opfer sind erheblich. Die junge Frau hat zahlreiche Therapien absolviert. Für sie ist bis heute kein normales Leben möglich“, sagt der Vorsitzende Richter Dr. Harald Winkler. Der Richter hält dem Täter zugute, dass er der jungen Frau mit einem umfassenden Geständnis eine Aussage erspart und die Taten nicht abgestritten habe. Auch die Tatsache, dass er sich bei seinem Opfer am ersten Verhandlungstag entschuldigt habe, müsse berücksichtigt werden.

Die Taten wurden der Familie des Opfers erst im Frühjahr 2009 offenbar, nachdem sich das Opfer einer Freundin anvertraut hatte. Die Mutter trennte sich daraufhin von ihrem Ehemann, erstattete aber keine Anzeige. Die Polizei wurde erst von der Krankenkasse eingeschaltet, die die - bis heute andauernden - ambulanten und stationären Therapien für das Mädchen bezahlen sollte.

Wie das Opfer und der Angeklagte auf das Urteil reagierten, lesen Sie in unserer gedruckten Mittwochausgabe.

Von Volker Nies

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