Wendelin Enders, der die Region 20 Jahre im Bundestag vertrat, wurde 90 Jahre alt

„Mir ist nie langweilig“

Urgestein der osthessischen SPD: Wendelin Enders. Foto: Nies

Bad Hersfeld. Die Fotos im Wohnzimmer, die ihn mit den Kanzlern Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder zeigen, sind verblasst. Aber frisch sind Dr. Wendelin Enders Erinnerungen an 20 Jahre Arbeit als SPD-Bundestagsabgeordneter für den damaligen Wahlkreis Hünfeld/Bad Hersfeld. Am Samstag wurde Enders’ 90 Jahre alt.

Im Mai 1967 kam der studierte Geologe als Nachrücker für den Hersfelder Landrat Edwin Zerbe in den Bundestag. Erst 1963 war der Lehrer des Fuldaer Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums nach der Spiegel-Affäre in die SPD eingetreten. Zwei Jahre später stellte ihn die Partei bereits für den Bundestag auf.

Enders wurde schnell beliebt. Bei den Bundestagswahlen 1969, 1972, 1976 und 1980 gewann er den Wahlkreis. Erst 1983, als er sich den Wählern letztmals stellte, fiel der Wahlbezirk an die CDU. Als größten Erfolg nennt er keine politische Initiative oder ein Gesetz, sondern eine ganz menschliche Hilfe. Im Abstand weniger Monate hatten sich 1975 ein verzweifelter junger Mann aus Bebra-Gilfershausen und einer aus Burghaun-Rothenkirchen an ihn gewandt. Sie liebten Frauen in der DDR, die nicht ausreisen durften. Enders schaltete DDR-Regierungschef Erich Honecker ein und die Ausreisen wurden erlaubt.

Sein Ausscheiden aus dem Bundestag 1987 bedeutete keinen Rückzug ins Privatleben. Von 1989 bis Ende März 2007 war er Vorsitzender des TV Petersberg. „Dabei war ich nie besonders sportlich“, gesteht er. Engagiert war er auch beim Tierschutzverein Fulda und im Turngau Fulda-Werra-Rhön. Bis heute besucht er regelmäßig Veranstaltungen der 20 Vereine in der Region, in denen er Mitglied ist. „Mir wird keine Sekunde langweilig.“

Von Volker Nies

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