Volker Lechtenbrink kommt: Ruinenfreunde präsentieren Matinee am 10. April

Mime, Macher, Mensch

Junge Vaterfreuden in den 70er Jahren.

Bad Hersfeld. Er ist den Freunden der Bad Hersfelder Festspiele über Jahrzehnte ans Herz gewachsen wie kein anderer. Er ist ein Macher und ein Menschenfreund. Er liebt das Leben und ist doch auch melancholisch. Er ist einer, der Höhen und Tiefen nur zu gut kennt.

Er ist frei heraus und deshalb unbequem. Er ist der, den der Spiegel „Bruder Leichtfuß“ nannte; sein Publikum sieht es ihm nach. Und jetzt kommt er zurück in seine - nach Hamburg - zweite künstlerische Heimat Bad Hersfeld: Volker Lechtenbrink.

Die Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine präsentiert den beliebten Schauspieler und Regisseur, begnadet sonoren Sprecher und rauchigen Chansonier mit Unterstützung der Hersfelder Zeitung in einer Matinee am Sonntag, dem 10. April, ab 11.30 Uhr in der historischen Aula der Konrad-Duden-Schule. Volker Lechtenbrink liest aus seinem Buch „Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf. Mein Leben“, stellt sich den Fragen von HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm in einem launigen Austausch über dieses wahrhaft pralle Leben und gibt bestimmt auch eine kleine musikalische Visitenkarte ab. Helgo Hahn hält sich jedenfalls für einen musikalischen Gruß am Flügel bereit.

Natürlich wird der frühere Intendant der Bad Hersfelder Festspiele auch aus jenen Passagen seiner von der Kritik hoch gelobten, humorvoll-schnörkellosen Memoiren lesen, die sich mit seinen Hersfelder Erlebnissen beschäftigen. Und kommt dann unvermeidlich zur original vorgetragenen Schlüsselstelle, in der er mit seinem kulturpolitischen Widerpart, dem Ex-Bürgermeister Hartmut H. Boehmer, auf seine ganz eigene Weise ins Gericht geht.

Nein, Volker Lechtenbrink ging nach seiner Intendanz von 1995 bis 1997 nicht im Zorn auf sein Bad Hersfelder Festspielpublikum und auch nicht auf die Stadt. Aber er ging nicht ohne Verletzungen. Dabei war er der Intendant, der alle Besucherrekorde brach und erstmals über 100 000 Menschen zu den Bad Hersfelder Festspielen lockte.

Ich mag Whisky ohne Eis, Böll, der soviel weiß. Ich mag Country Songs und Rock, Skat mit Ramsch und Bock. All das mag ich und ganz doll dich.

Volker Lechtenbrink „Ich mag...“

Er hat in seiner Zeit mit Otfried Preußlers „Hotzenplotz“ das Kindertheater in der Stiftsruine eingeführt und Jungstars wie die zauberhafte Julia Richter (Romeo und Julia, 1996) und Julian Weigend (Der Rattenfänger, 1995) groß herausgebracht. Mit seiner Intendanz verbinden sich Namen wie Witta Pohl, Daniela Ziegler, Michael Degen, Peter Heinrich, Pia Douwes oder Matthias Habich.

Doch nicht allein die Aufarbeitung dieser Ära dürfte Würze in die Lesung bringen. Ein verschmitzt geschriebenes Kapitel etwa beschäftigt sich damit, wie in Amerika der Weltstar Robert de Niro der Freund von Volker aus Germany wurde. Da sind die Erinnerungen an den Antikriegsfilm „Die Brücke“, der Lechtenbrink als 15-jährigen über Nacht berühmt machte.

Es geht um gute Freunde und viel Glück, die Volker vor zu viel Alkohol und falschen Beratern retteten. Er kann erzählen von seiner herzlich-chaotischen Patchworkfamilie, von großen Kollegen wie Hildegard Knef und Anthony Quinn, von Freunden wie Peter Maffay und Kris Kristoffersen, von Fußball mit Uwe Seeler und Günter Netzer. Ja, und auch von der Neigung älterer Männer zu jüngeren Frauen. All das mag er … (map)

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