Hersfelder Anwälte verteidigen spielsüchtigen Investmentbanker in Stade

Der Millionen-Zocker

Der einstmals spielsüchtige Investmentbanker Jens L. (Bildmitte) mit seinen waldhessischen Anwälten Frank Jansen (links) und Artak Gaspar beim Besuch in Bad Hersfeld. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld/Stade. Ob die 8,5 Millionen Euro, um die der Investmentbanker Jens L. (39) die Kunden der Deutschen Bank betrogen hat, am Ende als „Peanuts“ verbucht werden, das ist seinen Bad Hersfelder Anwälten Frank Jansen und Artak Gaspar gleichgültig. Vielmehr versuchen die beiden Juristen im seit August laufenden Prozess vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts Stade darzulegen, wie die ihrer Ansicht nach dubiose Geschäftspolitik der Bank Jens L. in die Spielsucht trieb und zum Abzocker im großen Stil werden ließ.

Fragwürdige Produkte

Denn nach der Einlassung ihres im Grunde geständigen Mandanten waren es überzogene Zielvorgaben seines Arbeitgebers und der Zwang, seinen vermögenden Kunden fragwürdige Produkte anzudrehen, die den biederen Bankkaufmann kriminell werden ließen.

Seine geradezu wahnwitzig anmutende Überlegung: Um die hohen Verluste seiner Kunden auszugleichen ging er in der Hoffnung auf entsprechende Gewinne ins Spielcasino nach Hamburg. Seine Einsätze „lieh“ sich L. sowohl von den Konten seiner Kunden wie aus dem offenbar nur ungenügend kontrollierten Tresor der Buxtehuder Bankfiliale, wo sich sein Arbeitsplatz befand. „Zuvor hatte ich allerdings erst mein eigenes Geld versenkt“, beteuert der Angeklagte bei einer Stippvisite in Bad Hersfeld.

L. wurde in der Spielbank zum gern gesehenen „High Roller“, der Einsätze bis 50 000 Euro wagte. „Es hat keiner hingeschaut“, sagt der Familienvater, „weder bei der Arbeit noch im Kasino.“ Gut drei Jahre ging das so. Bis 2010 hatte er fast achteinhalb Millionen Euro auf den Kundenkonten hin- und hergeschoben, die Hälfte davon auf Nimmerwiedersehen verzockt.

Eine Bereicherungsabsicht unterstellt dem Angeklagten niemand. Dennoch droht ihm alleine schon wegen der Vielzahl der angeklagten Fälle – mehr als 150 – und der hohen Summe eine mehrjährige Haftstrafe.

Seine waldhessischen Verteidiger halten L. jedoch für schuldunfähig. „Es ging ihm nur ums pathologische Spielen“, argumentiert Anwalt Jansen und verweist auf die mangelnde Kontrolle durch die Deutsche Bank wie auch im Kasino. Ziel der Verteidigung, die jetzt einen weiteren Gutachter einschalten will, ist ein Freispruch oder zumindest eine Bewährungsstrafe.

Von Karl Schönholtz

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