Miese Schlagzeilen, ein Bürgermeister unter Druck und Intendanten-Spekulationen

Kai A.

Bravo! Endlich sind die Bad Hersfelder Festspiele in den überregionalen Medien angekommen: Spiegel-Online, FAZ, Frankfurter Rundschau, Bild sowie Funk und Fernsehen – alle berichten über Bad Hersfeld. Doch die Schlagzeilen sind verheerend: Trauer-Spiel, Schmieren-Tragödie, und besonders „Theater-Posse eines kleinkarierten Provinz-Napoleons“. Na, prima!

Man mag über die fristlose Kündigung von Intendant Holk Freytag denken wie man will. Es gibt ja auch durchaus Stimmen, die den Rauswurf für richtig halten. Aus Bürgermeister Fehlings Sicht mag er sogar konsequent gewesen sein. Aber das Timing, also allein das Wie ist miserabel.

Denn jetzt hat Fehling das volle Medienecho mit allem Theaterdonner ausgelöst. Die Schauspieler und weite Teile des Publikums solidarisieren sich mit dem geschassten Intendanten. Eine Woche später, nach Abreise des Ensembles und ohne Ruinenpublikum hätte der Stratege im Rathaus wohl weniger als die halbe Wucht abbekommen.

Wie man hört, musste Fehling aber aus seiner Sicht so schnell feuern, anstatt noch wenigstens bis zum Festspiel-Ende zu warten. Denn schon in der kommenden Woche hätte er urlaubs- und konstellationsbedingt womöglich keine Mehrheit für die Kündigung zusammenbekommen. Denn auch im Magistrat wackeln die Kandidaten. Wer weiß, wie das noch aus- und weitergeht? Der Streit ums Defizit und den Festspielhaushalt 2015 und wer wann welche Sparvorschläge gemacht haben soll, ist für Außenstehende nur schwer zu durchschauen und wird wohl die Arbeitsrichter beschäftigen. Falls es bei Gericht nicht gleich heißt: Bitte zwei Jahresgehälter an Holk Freytag überweisen – wenn das reicht.

Fest steht, dass die volle Verantwortung für die Zukunft der Festspiele und schon für die Spielzeit 2015 jetzt beim Bürgermeister liegt. Fehling setzt alles auf eine Karte. In so ein gewagtes Spiel geht man nicht ohne einen echten Trumpf im Ärmel.

Wie gut unterrichtete Kreise wissen wollen, hat Fehling bereits einen Nachfolger – und man hört immer wieder den Namen Dieter Wedel (Der große Bellheim). Fest steht, dass der schillernde Medien-Star, die einstige ZDF-Ikone, in letzter Zeit mehrfach in Bad Hersfeld war und dabei auch intensiven Kontakt zu Thomas Fehling hatte.

Fest steht auch, dass sich der (wahrscheinlich) 71-jährige, extrovertierte Regisseur in diesem Sommer nach 13 Jahren als Impresario von den Wormser Nibelungen-Festspielen verabschiedet. Aber ganz sicher ist: Wenn Thomas Fehling die Personalie neuer Intendant in den Sand setzt, dann bleibt ihm nur eines: Der Rücktritt. Und abtauchen werden auch die nicht können, die mit Fehling im Magistrat die Hand gehoben haben. Ich habe keine Freude am Untergang und hoffe für die Stadt und ihre Festspiele das Beste.

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