Kreistagsabgeordneter Michael Schmidt

AfD-Mann will Bürgermeister von Bad Hersfeld werden

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Fühlt sich stark verwurzelt in Bad Hersfeld: Der AfD-Kreistagsabgeordnete Michael Schmidt kandidiert als Parteiloser für das Bürgermeisteramt in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld. Gegen einen Boateng als Nachbarn hätte Michael Schmidt nichts. Und auch sonst versucht der AfD-Kreistagsabgeordnete, der im September Bürgermeister von Bad Hersfeld werden will, sich von den zuweilen schrillen Tönen seiner Parteifreunde abzugrenzen.

Dennoch bekennt sich Schmidt zu den Zielen der AfD. In Bad Hersfeld tritt er aber als parteiloser Kandidat an, „weil ich für alle Bürger da sein will“, sagt Schmidt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Seine Entscheidung, als Bürgermeister zu kandidieren, kam genauso spontan wie sein Eintritt in die AfD Anfang September letzten Jahres. „Nachdem Frau Merkel die Grenzen aufgemacht hatte, habe ich beschlossen, in der Politik aktiv zu werden“. Obwohl er aus einer CDU-geprägten Familie stamme, seien die Christdemokraten für ihn nicht mehr wählbar, weil sie nicht mehr konservative Werte verträten und stattdessen immer mehr nach links abdrifteten.

Spontane Kandidatur

Ein Freund habe ihn aufgefordert, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. „Ich kann für diese Stadt Positives bewirken“, glaubt der 47-jährige Computerfachmann und verweist auf seine langjährige Erfahrung als Berater und Projekt-Manager bei hochkarätigen Kunden wie der Deutschen Bahn, dem Bundesrat, der Deutschen Bank oder auch Bosch/Siemens. Trotz seiner Skepsis gegenüber der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung will Schmidt im Wahlkampf nicht mit Ausländerthemen punkten.

Allerdings wolle er schon mit dem Landrat über die Verwendung des Herkules-Marktes als Notunterkunft reden, den er als Flüchtlingsunterkunft für ungeeignet hält.

Ansonsten will er jedoch die Bundespolitik aus seinem Wahlkampf raushalten. Sein wichtigstes Ziel ist die Schaffung von hochwertigen und auskömmlichen Arbeitsplätzen, damit auch die Jugend eine Chance hat, in der Region zu bleiben. „Es gibt hier zu wenige Jobs, von denen man gut leben kann“, sagt der Vater von drei Kindern. Die Logistik sei auf Dauer nicht die richtige Branche für die Region. „Wir haben hier zwar den Computer erfunden, aber daraus nichts gemacht“, beklagt Schmidt.

Durch seine Erfahrung mit großen Unternehmen wisse er, dass es bei Ansiedlungsentscheidungen nicht allein um Steuervorteile, sondern um viele Faktoren gehe. Das müsse man ausnutzen.

Schmidt ist klar, dass er durch seine AfD-Mitgliedschaft vermutlich einige Anfeindungen erfahren wird. „Ich habe den Charakter, um das auszuhalten, denn das bin ich aus dem Haifischbecker der freien Wirtschaft gewöhnt“, sagt er. Seinen Wahlkampf, bei dem er durch eine örtliche Agentur unterstützt wird, bezahlt Schmidt „zu 90 Prozent selbst“.

Das Bad Hersfelder Rathaus scheint für Schmidt allerdings nur eine Zwischenstation zu sein. „Ich will irgendwann auch die Bundespolitik beeinflussen“, sagt er. An Selbstbewusstsein mangelt es Michael Schmidt jedenfalls nicht. (kai)

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