Wochenendporträt: Michael Gauler jagt mit der Kamera nach Zügen

Den Blick mal nicht Richtung Zug: Michael Gauler, der etwa 25 000 Fotos von Lokomotiven hat. Das Objekt im Hintergrund ist aber auch „nur“ ein Cantus-Triebwagen. Foto: Henkel

Bebra. 25 000 Fotos von Lokomotiven hat er bereits erjagt - der Bebraner Michael Gauler hat eine Leidenschaft für Züge. Mit seiner Kamera ist er deshalb häufig an den Gleisen unterwegs.

Als das Rauschen des Zuges stärker wird, horcht Michael Gauler auf und hält inne. „Ah, das ist eine E-Lok, die für ein privates Unternehmen umgespritzt wurde“, kommentiert er die silbern glänzende Lokomotive, die vor einem Güterzug durch den Bad Hersfelder Bahnhof rattert.

Zu schnell, als dass der 46-jährige Bebraner seine Spiegelreflexkamera zücken könnte, um die Lok auf Diafilm zu bannen. Das tut er sonst regelmäßig: Gauler jagt und sammelt mit der Kamera Lokomotiven. Neudeutsch nennt man Menschen wie ihn „Trainspotter“. Will er nach der Arbeit ein bisschen abschalten, steht er mit der Kamera am Gleis und wartet auf interessante Loks. Spricht sich in Eisenbahnerkreisen die Durchfahrt eines besonders seltenen Gefährts herum, ebenfalls. Etwa 25 000 Fotos von Lokomotiven, schätzt Gauler, lagern bei ihm zu Hause in einem Hobbyraum.

Los ging es, als Gauler als Schüler mit seinen Eltern nach Bebra zog - in Sichtweite des Bahnhofs. Züge, Lokomotiven, der gesamte Eisenbahnbetrieb faszinierten den Schüler. Gauler schnappte sich eine Kamera - „der Bahn-Bazillus hatte mich gepackt“, erinnert er sich.

Und er ließ ihn nicht mehr los. Immer größer wurde der Aktionsradius des jungen Mannes. Im Umkreis von 150 Kilometern ist Gauler seitdem meist unterwegs, manchmal auch weiter, allerdings vorrangig im deutschsprachigen Raum. Auch die Urlaubsplanung richtet sich oft nach der Bahn. „An meine beiden Reisen in die Schweiz erinnere ich mich besonders gern“, schwärmt er. „Das waren tolle Erlebnisse.“

Aber auch an die Zeit nach der Grenzöffnung, die ihm so manches dampfende Reichsbahn-Schätzchen vor die Linse führte. Gauler: „Das war Neuland für mich, ich hatte keine Verwandten im Osten, war vorher nie da gewesen.“

So sehr die Bahn ihn privat faszinierte, so bewusst ging Gauler beruflich einen anderen Weg: „Wäre ich Eisenbahner geworden, wäre ich mit Sicherheit erstmal im Raum Frankfurt gelandet. Da wollte ich nie hin“, erklärt der Verwaltungsbeamte, der im Landkreisamt in der Unteren Jagdbehörde arbeitet. Zudem ist er Vorsitzender der Eisenbahnfreude in Bebra.

Allein ist Gauler mit seinem Hobby keinesfalls. Die Lokfreunde lesen in Fachzeitschriften und natürlich auch im Internet voneinander, verabreden sich, tauschen ihre Neuigkeiten und natürlich auch Infos über die Plätze aus, an denen die Strecken am besten einsehbar sind. „Manchmal kommt man knapp zu spät, oder die Wolke vom Dienst zieht auf“, weiß Michael Gauler. „Glück und Geduld braucht man“, verrät er sein einfaches Rezept. Und die silberne Lok vom Anfang? Gauler lacht: „Die krieg’ ich auch noch!“

Von Rainer Henkel

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