45-Jähriger aus Kirchheim rastete immer wieder aus: Freiheitsstrafe ohne Bewährung

Menschliches Pulverfass

Bad Hersfeld. Sein Verhalten gleicht dem des legendären HB-Männchens („Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“). Wie die cholerische Werbefigur rastete ein 45 Jahre alter Kirchheimer beim geringsten Anlass immer wieder aus, beleidigte, bedrohte und nötigte seine Mitmenschen, wenn er nicht gleich gewalttätig wurde.

Für neun derartige Taten wurde der Frührentner jetzt von Strafrichter Elmar Schnelle zu zwei Jahren und fünf Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Die Frage einer Aussetzung zur Bewährung stellte sich bei der Höhe der Strafe und angesichts einer 23 Punkte umfassenden Liste von Vorbelastungen nicht mehr.

Auch bei der Urteilsverkündung erwies sich der Angeklagte als menschliches Pulverfass. „So viel Lüge verkrafte ich nicht,“ rief er Richter Schnelle zu und machte Anstalten den Saal zu verlassen. Das untersagte Schnelle zunächst, und die vorsichtshalber anwesenden Wachtmeister schritten ein.

Das ist Freiheitsberaubung!

Nach weiteren Störungen („Das ist Freiheitsberaubung!“) und auf Bitten seiner Verteidigerin Irene Peter-Levin schloss das Gericht den Kirchheimer jedoch von der Verhandlung aus, so dass der wutentbrannte Mann von dannen ziehen konnte.

Bekanntschaft mit dem überschäumenden Temperament des 45-Jährigen hatte bei einer Gelegenheit auch Kirchheims Bürgermeister Manfred Koch gemacht, als der Rentner in der Gemeindeverwaltung uneingeladen in eine Sitzung platzte und sich nicht zum Rückzug bewegen ließ. Die Folge war eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Auch Drohgebärden mit einer Schreckschusswaffe gegenüber unliebsamen Jugendlichen, rabiater Umgang mit Nachbarn und Beschimpfungen von Polizisten gehörten zu den Vorwürfen, über die an insgesamt drei Prozesstagen verhandelt wurde. „Er sieht sich permanent in der Opferrolle und hat sein eigenes Weltbild“, stellte Richter Schnelle am Ende fest.

Weitere Vorwürfe eingestellt

Weitere Vorwürfe waren schon vor Anklageerhebung wie auch im Laufe des Verfahrens eingestellt worden, weil entweder die Beweislage unübersichtlich war oder die Taten unter dem Strich nicht weiter ins Gewicht gefallen wären.

Angeklagter verantwortlich

Auch die Frage der Schuldfähigkeit war im Rahmen der Verhandlung erörtert worden. Das Gutachten von Dr. Rainer Hoffmann aus Fulda hielt zwar eine psychotische Störung beim Angeklagten für denkbar, doch keine Einschränkung bei der Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit. Der Kirchheimer reagiere zwar empfindlich auf Reizüberflutungen, sei aber für sein Verhalten verantwortlich.

Das Urteil fiel nur um einen Monat geringer aus als von Oberamtsanwalt Berthold Hartung beantragt.

Von Karl Schönholtz

Kommentare