Altenzentrum: Dokumentarfilm erinnerte an Fritz Bauer

Die Menschen sind anfällig für große Worte

Werner Schnitzlein, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, bei der Vorstellung des Films über Fritz Bauer. Foto: Hohmann

Bad Hersfeld. Anlässlich des Auschwitz-Gedenktages (27. Januar – Internationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus) wurde im Altenzentrum Hospital der Dokumentarfilm „Fritz Bauer: Tod auf Raten“ gezeigt. Fritz Bauer war von 1956 bis zu seinem Tod am 1. Juli 1968 Generalstaatsanwalt des Landes Hessen in Frankfurt. Als Sohn jüdischer Eltern wurde der Jurist 1933 aus dem Staatsdienst entlassen und zunächst inhaftiert, konnte später über Dänemark nach Schweden emigrieren.

Zurückgekehrt erreichte er als Generalstaatsanwalt von Niedersachsen zunächst die Rehabilitierung der hingerichteten Menschen des 20. Juli. Ab 1956 leitete er in Hessen das Verfahren gegen ehemalige SS-Mitglieder im KZ Auschwitz ein. Außerdem gab er dem israelischen Geheimdienst den entscheidenden Hinweis zum Ergreifen von Adolf Eichmann.

Gerechtigkeitskämpfer

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ - so beginnt Artikel 1 unseres Grundgesetzes. Auf Initiative von Fritz Bauer ziert dieser Satz (noch heute einzigartig) die Außenwand des Frankfurter Landgerichts. Im Dokumentarfilm wurde anhand alter Aufzeichnungen und Zeugenbefragungen gezeigt, dass Fritz Bauer ein engagierter und couragierter Geburtshelfer der deutschen Demokratie war. Eine vergangenheitsmüde Gesellschaft nahm Anstoß an seiner Kritik, bezeichnete ihn als Rächer und Nestbeschmutzer. Im Film wurde aber die Intention von Fritz Bauer deutlich, wenn er sagte: „Wir wissen, wie anfällig Menschen für große Worte sind“ und: „Wir wünschen, dass diese Zeiten nicht wiederkommen“.

Nach Ende des Films wurde die leicht sensationsheischende Dramaturgie zum plötzlichen Tod von Fritz Bauer kritisiert. Eine Obduktion ergab keinerlei Hinweise auf Verbrechen oder Selbstmord.

Zeitzeugen aus dem Publikum meldeten sich, die Fritz Bauer einst getroffen hatten. Aus allen Wortmeldungen klang Hochachtung vor diesem rastlosen Gerechtigkeitskämpfer, der seine Lebensenergie für die konsequente Strafverfolgung von Nazi-Verbrechern einsetzte. Fritz Bauer hat für sein Wirken kein Bundesverdienstkreuz erhalten. Dieser Dokumentarfilm gab einen guten Einblick in die beengende Situation der damaligen Zeit. Still und nachdenklich verließen die Besucher den Raum - wohl wissend, warum am Auschwitz-Gedenktag die Fahnen auf Halbmast hängen: „Wir wünschen, dass diese Zeiten nicht wiederkommen“.

Von Uwe Hohmann

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