Festspieler: Charlotte Puder liebt vielschichtige Figuren, mal kraftvoll, mal zart

Die Menschen berühren

Bad Hersfeld. Die junge Liebende, die durch Schönheit und Anmut glänzt – diese Rollen wollte Charlotte Puder früher auf keinen Fall spielen. „Ich fand diese Rollen total langweilig“, erzählt sie. Viel lieber waren ihr die bösen Mädchen, die Kämpferinnen, die richtig auf den Putz hausen, auch mal andere fertig machen – kraftvolle, ernsthafte Rollen.

Inzwischen hat sie den Reiz des Zarten für sich entdeckt und spielt gerne auch die Figuren, die vordergründig nicht so interessant sind. „Das Poröse an Figuren interessiert mich, da wo’s bröckelt, wo es nicht mehr eindeutig ist, wo sich was verschiebt, wo jemand selber nicht mehr weiter weiß – das finde ich interessant.“ Eine Traumrolle, die sie gerne spielen möchte, ist deshalb die Martha in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ – eine Frau, deren Lebensdrama sich im Laufe des Stückes entfaltet.

Zum Nachdenken anregen

Ihr Ziel ist es, mit ihren Figuren die Menschen zu erreichen, sie zu berühren oder zum Nachdenken anzuregen in einer Welt, die nur zu gerne in Schwarz und Weiß denkt und einfache Lösungen sucht.

Manchmal, das gibt sie zu, müsse sie sich ihre Figuren, ihre Szenen, so bauen, dass die Vielschichtigkeit, die Hintergründe deutlich würden. Probleme mit den Regisseuren und deren Vorstellungen gebe es dabei nicht. „Man kann immer sagen, was man selber für Gedanken zum Stück und zu einer Figur hat,“ sagt die junge Schauspielerin.

Die letzte Entscheidung treffe aber der Regisseur, der oft von außen das Gesamtbild besser sehe als die Mitwirkenden. „Da muss man dann das Beste draus machen“, meint sie. Das gilt für die 27-Jährige übrigens in allen Lebenslagen. Dazu gehört für sie, immer offen zu bleiben, wenn sie vor neue Aufgaben und Entscheidungen gestellt wird. Dass Charlotte Puder Schauspielerin werden wollte, das wusste sie schon mit vier Jahren. Ihre Eltern, die beide selbst auch diesen Traum hatten, ihn aber nicht verwirklicht haben, hätten sie dabei immer unterstützt, erzählt sie.

Schon als Kind war sie in Theatergruppen aktiv. Die Eltern hätten den Wunsch ihrer Tochter aber auch ausgenutzt, um sie zu besseren Leistungen in der Schule zu motivieren. „Du kannst nur Schauspielerin werden, wenn du das Abitur hast“, hätten sie ihr gesagt. „Ich war richtig sauer, als ich später herausgefunden habe, dass das gar nicht stimmt“, lacht Charlotte Puder.

Kritikfähige Kollegen

Ein Aspekt des Schauspielerberufs, den sie besonders schätzt, ist die Kritikfähigkeit der meisten Kollegen. Die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle und dem, was man auf der Bühne zeigt, das sei ganz wesentlich an der Schauspielschule.

Dabei habe sie auch gelernt, Kritik an ihrer Arbeit und persönliche Gefühle voneinander zu unterscheiden. „Ich bin dann schon mal kurzfristig traurig“, gesteht sie ein. Grundsätzlich findet sie es aber gut, wenn ihr jemand etwas mit auf den Weg gibt und dadurch zeigt, dass sie ihm nicht egal ist.

„Wenn sich immer alle einig wären, dann gäbe es nur Stillstand“, sagt Charlotte Puder und das ist etwas, was sie in ihrem Leben gar nicht haben will.

Von Christine Zacharias

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