SPD-Urgestein Kurt Beck zeigte sich beim Auftritt in Bad Hersfeld erwartet volksnah

Menschelnder Wahlwerber

Im Gespräch mit Vertretern der Bad Hersfelder Friedeninitiative: Kurt Beck, ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz (Bildmitte), als Wahlkämpfer vor dem Rathaus. Vorne links SPD-Bundestagskandidat Michael Roth, rechts dahinter Landtagskandidat Torsten Warnecke. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. „Es wird zu wenig aus Sicht der Menschen gedacht“, formulierte er ein wenig umständlich, doch zum volksnahen Wahlwerber Kurt Beck passte dieser Satz wie die Faust aufs Auge. Nur keine Distanz aufkommen lassen, das war gestern beim Auftritt des ehemaligen SPD-Vorsitzenden und langjährigen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz vor dem Bad Hersfelder Rathaus von der ersten Sekunde an Programm.

Fleißiges Händeschütteln der erst wenigen, später etwas zahlreicheren Zuhörer und gleich der Schulterschluss mit Vertretern der örtlichen Friedensinitiative, die gegen einen Militäreinsatz in Syrien protestierten.

Da sich unter Genossens ohnehin alles duzt, bittet Beck jedes bekannte Gesicht gleich mit aufs Foto, das er wie eine Gesprächssituation inszenieren möchte, das dann aber doch so gestellt aussieht wie es nun einmal ist.

„Heiliger Zorn“

Als er dann das Mikrofon in den Händen hält, gibt’s erst ein Kompliment für die ansprechende Entwicklung der Stadt und dann menschelnde Betrachtungen der politischen Lage. Denn dass die Bürger in Haftung genommen werden, wenn sich die Banken verspekulieren, das empört eben nicht nur Kurt Beck, sondern auch sein Publikum. „Heiligen Zorn“ teilt er im Folgenden mit denen, die für anständige Arbeit unanständig schlecht bezahlt werden und fordert die Rückkehr zu Tariflöhnen für alle. Sein drittes Thema ist eigentlich die Bildung, doch im Grunde geht es ihm um ein paar Spitzen gegen die „Schnösel“ in der CDU, die weitreichende Folgen von politischen Fehlentwicklungen mit kessen Sprüchen abtun.

Was den Wahlkämpfer Beck dann aber mit der Gegenseite eint, ist die Ahnung, dass es am 22. September auf jede Stimme ankommen könnte: In Hessen wegen knapper Mehrheitsverhältnisse, im Bund wegen unvorhersehbarer Konstellationen durch Einzug oder Nicht-Einzug kleiner Parteien in den Bundestag.

Das hatte der örtliche Kandidat Michael Roth zuvor schon bei der Begrüßung ganz plakativ ausgedrückt: „Wahlen sind die Hochzeit der Demokratie“.

Von Karl Schönholtz

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