Holk Freytag und Jürgen Kessler im Grebekeller

Hommage an Hans-Dieter Hüsch: Der Mensch als dressierte Fliege

Ein ganz persönliches Waterloo: Jürgen Kessler (links) und Holk Freytag erinnerten im Bad Hersfelder Grebekeller an den Kabarettisten Hans-Dieter Hüsch. Foto: Landsiedel

Bad Hersfeld. Eine Hommage an den unvergessenen Kabarettisten Hans-Dieter Hüsch wurde den Besuchern am Freitagabend im Grebekeller mit der szenischen Lesung „Und sie bewegt dich noch!“ im Bad Hersfelder Grebekeller geboten.

Mit Jürgen Kessler, Leiter des Deutschen Kabarettarchivs in Mainz und dem Theatermann Holk Freytag standen zwei langjährige Freunde und Weggefährten des im Dezember 2005 verstorbenen Kabarettisten auf der Bühne des Bad Hersfelder Kulturkellers.

Kessler, mehr als 30 Jahre Fahrer und Tourneemanager Hüschs, schuf sein Stück als Abwandlung des 1984 entstandenen Programms „Und sie bewegt mich doch!“, indem er Originaltexte des Kabarettisten mit neuen Texten, in denen das heutige Geschehen gnadenlos seziert und kommentiert wird, ergänzte. Im fiktiven Zwiegespräch mit Hüsch werden Politik und Gesellschaft ohne Rücksicht auf „Political correctness“ mit teilweise ätzendem Spott gegeißelt. Da wird etwa der Mensch als „dressierte Eintagsfliege“ gesehen oder ein Politiker leistet mit einem Versprecher unfreiwillig den Offenbarungseid: „Wir werden alles dafür tun, die Wahrheit zu erfinden.“

Zusatztermin

Schonungslos wird der Verfall des einst idealen Staatsmodells Deutschlands insbesondere unter Angela Merkel beschrieben und das Fehlen von Persönlichkeiten wie Carlo Schmid oder Willy Brandt beklagt. Mahnend bekommt die heutige Gesellschaft ins Stammbuch geschrieben: „Ihr habt euren Nachwuchs im Stich gelassen mit dem, was ihr für Erziehung haltet! Wer seine Jugend verkommen lässt, lässt sein Land verkommen.“

Holk Freytag führte Regie und spielte und las auf beeindruckende Weise auch die Rolle von Hans-Dieter Hüsch, während Kessler als er selbst, nämlich dessen Agent, auf der Bühne stand.

Wunderbar die selbstironische Szene, in der Freytag alias Hüsch sich mit den Worten „Ich habe mein Waterloo hinter mir, ihr habt es noch vor euch.“ einen napoleonischen Zweispitz aufsetzte. Das Bad Hersfelder Publikum konnte dem sicherlich noch eine ganz eigene Interpretation hinzufügen. Irmgard Haub als Dialogpartnerin und Sängerin setzte, begleitet von Markus Schönberg am Klavier, die musikalischen Akzente. Zum Schluss gab es dann noch etwas Trost für den Heimweg: „Macht euch nicht irre, ihr seid es schon.“

Auf Grund der hohen Nachfrage gibt es am 13. Februar eine zusätzliche Veranstaltung. Karten können ab sofort telefonisch unter 06621/72662 oder per E-Mail an goetz.geissler@festspielgefluester.de bestellt werden.

Von Thomas Landsiedel

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