Memories of Malmesbury und Lolls-Vorfreude

Fast wie die Arbeit bei der Zeitung: HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff versucht, einen der Felsquader des Steinkreises im englischen Avebury „den Berg hoch zu rollen“. Foto. M. Ernst

Wann waren Sie zuletzt auf Klassenreise? Wenn Sie nicht zufällig Lehrer sind, dann ist das vermutlich schon eine Weile her. Bei mir sind es knapp 35 Jahre. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als mir Ulli Meiß angeboten hat, seinen Chor nach England zu begleiten.

Wie so viele Menschen in unserer Region bin ich ein Fan der Obersberg-Chöre. Aber bisher konnte ich nur erahnen, wie viel Arbeit und Disziplin hinter den perfekten Auftritten der Sängergruppe steckt. Jetzt weiß ich es genau. Abgesehen davon, dass eine 16-stündige Busfahrt durch die Nacht auch für junge Leute ziemlich anstrengend ist, war die Tour trotz des interessanten touristischen Programms keine Vergnügungsfahrt. Vor und nach den Ausflügen wurde stundenlang geprobt. Manchmal, weil kein anderer Raum frei war, sogar auf dem Parkplatz vor dem Hotel – zur Freude der anderen Gäste.

Auch Chorleiter Ulli Meiß und sein eingespieltes Betreuerteam gehen bei diesen Reisen an ihre Grenzen. Freiwillig übernehmen sie bereits bei der Vorbereitung viel zusätzliche Arbeit und tragen auf der Reise eine enorme Verantwortung für die 70-köpfige Schülergruppe. Ohnehin sind solche Reisen immer auch eine schwierige Gratwanderung zwischen Freiraum und Kontrolle. Das gilt natürlich für alle Lehrer, die mit Schülern unterwegs sind. Diese zusätzliche Belastung, die Bürde der Verantwortung der Lehrkräfte, wird von Außenstehenden oft gar nicht erkannt und nicht ausreichend gewürdigt.

Ich bin nach der England-Reise jedenfalls sehr beeindruckt von der Disziplin, aber auch der Fröhlichkeit, mit der die jungen Chorsänger dabei waren, und hatte viel Spaß mit dieser netten Truppe!

Wenig Spaß haben derzeit unsere muslimischen Mitbürger. Seit langem suchen sie nach neuen Räumen für ihre Moschee. Das derzeitigen Haus in der Duden-Straße ist viel zu klein, zumal dort neben dem Gebet auch verschiedene Aktivitäten für die Gemeinde angeboten werden. Dabei steht das Gotteshaus auch interessierten Andersgläubigen offen. Ich erinnere mich zum Beispiel gern an die netten Feste zum Fastenbrechen, die dort gefeiert werden. Nachdem die Gemeinde zunächst darauf gehofft hatte in die frühere Heilquellen-Abfüllhalle im Kurpark ziehen zu können, hatte sie nun den ehemaligen Kindergarten in der Friedrich-Ebert-Straße ins Auge gefasst. Doch der Preis ist zu hoch und die Statik des Gebäudes erlaubt keine Umbauten. Nun hoffen die Muslime auf ein Angebot der Stadt.

Egal, welcher Religion man angehört, die Freude am Lullus-Fest eint uns alle. Der ganzen Region stehen wieder ein paar tolle Tage bevor. Hart wird es wohl für die Kinder, denn anders als in den vergangenen Jahren ist diesmal Schule. In Hersfeld dürfen die Schüler am Montag immerhin früher raus, damit sie pünktlich beim Umzug sind. In Schenklengsfeld, so hört man, wurde ein ähnliches Ansinnen abgelehnt. Na ja, erst die Arbeit, dann das Vergnügen!

Und ein Vergnügen wird unser Lullusfest hoffentlich nach den hitzigen Debatten dieses Jahres. In die Stadtpolitik scheint nach der Verpflichtung von Dieter Wedel als Festspiel-Intendant etwas Ruhe einzukehren. Ohnehin herrscht jetzt Lollsfrieden.

Ich habe übrigens diesmal ganz besondere Kastanien für das Fierche: Sie stammen von einem uralten Baum auf dem Kirchhof der Abtei von Malmesbury. Und wer weiß, vielleicht hat ja weiland sogar schon Lullus unter diesem Baum gesessen.

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