Bei berechtigtem Interesse werden Daten auf Antrag herausgegeben

Meldeämter handeln nicht mit Adressen

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Hersfeld-Rotenburg. Die Einwohnermeldeämter im Landkreis Hersfeld-Rotenburg betreiben keinen Adresshandel. Das hat eine stichprobenartige Umfrage unserer Zeitung ergeben. In Großstädten wie Berlin werden Adressen im großen Stil an Firmen weitergegeben, hatte das ZDF recherchiert.

Den Gemeinden bringt jede Melderegisterauskunft eine Gebühr in die Kasse: 8 Euro pro direkter Anfrage, 4,50 Euro über die Zentrale Melderegisterauskunft im Internet. „Aber das ist nicht wie auf dem Basar“, sagt Susanne Scharringhausen, Sachgebietsleiterin beim Meldeamt Rotenburg. Üblicherweise gehe es um gezielte Anfragen nach bestimmten Einzelpersonen. Allgemeine Gruppenanfragen würden nur erteilt, wenn ein öffentliches Interesse bestehe. „Wir prüfen das sehr genau“, sagt Scharringhausen.

Regelmäßige Anfragen kämen aber hauptsächlich von Rechtsanwälten und Inkassoagenturen, die auf der Suche nach Schuldnern sind. Derartige Auskünfte könne das Amt auch nicht verweigern, erklärt Werner Steidel, Fachbereichsleiter Bürgerdienste bei der Stadt Bad Hersfeld. „Wir müssen nach dem Gesetz handeln“, betont Steidel und empfiehlt jedem Bürger, der Kontrolle über seine Daten haben möchte, eine Übermittlungssperre eintragen zu lassen. Damit könne man sich zwar nicht seinen Gläubigern entziehen, aber die Herausgabe der Adresse an bestimmte Gruppen wie Parteien und Kirchen verbieten.

Anfragen von Adressbuchverlagen, die ebenfalls im Meldegesetz ausdrücklich vorgesehen sind, habe es in den vergangenen Jahren ohnehin nicht gegeben, berichten Steidel und Scharringhausen. Martina Benz, Mitarbeiterin des Meldeamts in Bebra, kann sich ebenfalls nicht an derartige Gruppenanfragen erinnern. Doch auch sie betont: „Wir sind da sehr vorsichtig.“

Zum Tage

Von Olaf Dellit und Marcus Janz

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