Wochenendporträt: Der Rotenburger Peter Kozeluh baut Orgeln mit Leidenschaft

Der Meister aller Pfeifen

Auf den Klang kommt es an: Orgelbaumeister Peter Kozeluh bläst in eine Zinn-Blei-Pfeife, um ihre Tonhöhe zu testen. In einer durchschnittlich großen Orgel, die in seinem Rotenburger Betrieb gefertigt wird, stecken 5500 bis 6000 Stunden Arbeit. Foto: Schaffner

Rotenburg. Wenn Peter Kozeluh den Klang einer Orgel prüft, dann zieht er im wahrsten Sinne des Wortes alle Register. Der 53-Jährige aus Rotenburg beschäftigt sich als Orgelbaumeister aber nicht nur mit Registern, also baugleichen Pfeifenfamilien, er ist auch für Entwurf, Herstellung und harmonische Klanggestaltung des gesamten Instruments zuständig.

„Der Orgelbau war schon immer meine Passion“, sagt Peter Kozeluh, der seit 2008 als Nachfolger von Dieter Noeske die Geschicke der Orgelbauwerkstatt in Rotenburg leitet. Seinen Beruf mag er vor allem wegen seiner Vielfältigkeit. „Handwerkliches Geschick reicht bei weitem nicht aus“, sagt er. Orgelbauer müssten sich vielmehr auch in der Architektur und Kunstgeschichte auskennen, die Holz-, Leder- und Metallverarbeitung beherrschen, Talent für technisches Zeichnen haben sowie fundierte musikalische Kenntnisse mitbringen. Und Geduld. Schließlich dauert es Monate, mitunter Jahre, eine neue Orgel zu bauen.

6000 Arbeitsstunden

„]e nach Größe stecken 5500 bis 6000 Arbeitsstunden in einem Instrument“, sagt er. Dieser Aufwand schlage sich auch im Preis nieder. So könne ein Neubau aus der traditionsreichen Rotenburger Orgelwerkstatt, deren Geschichte bis ins Jahr 1808 zurückreicht, durchaus so viel kosten, wie ein luxuriöses Einfamilienhaus. Auftraggeber seien meist Kirchengemeinden, sagt Kozeluh: „Es kommt aber auch schon mal vor, dass Privatleute eine Heimorgel bestellen.“ Wichtig für eine wohlklingende Orgel sei vor allem sorgfältig ausgesuchtes Material – auch wenn das nur etwa 20 Prozent des Verkaufspreises ausmacht. Kozeluh und seine sechs Mitarbeiter verwenden nur handverlesene Werkstoffe.

Fichte und Eiche

Darunter Bergfichte aus den Alpen, Eichenholz aus den Vogesen sowie feinstes Edelmetall. Je hochwertiger die Materialien, desto charakteristischer der Klang“, erklärt er. „Ein Fachmann hört sofort, ob er eine Silbermann-Orgel oder eine aus dem Hause Noeske vor sich hat“, sagt Kozeluh, der in Rotenburg sowohl seine Lehre als auch später seine Meisterprüfung absolviert hat. Viele seiner Zunft gibt es nicht in Deutschland. Die Vereinigung der Orgelsachverständigen zählte 2014 noch etwa 400 handwerkliche Orgelbaubetriebe mit 1800 Mitarbeitern. Im Gegensatz zu Vertretern anderer Handwerksberufe blickt Peter Kozeluh recht gelassen in die Zukunft: „Unsere Auftragsbücher sind voll.“

Auch mit dem Internet habe sich für die Rotenburger Orgelbauer, die auch Instrumente warten und restaurieren, kaum etwas verändert. Denn jede Orgel sei ein Unikat, das exakt für den einen speziellen Raum des Auftraggebers gefertigt werde, sagt er. Und das gibt es weder in Serie, noch per Mausklick in einem Onlineshop zu kaufen.

Von Sebastian Schaffner

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