HZ-Interview mit Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling, der seit 20 Monaten im Amt ist

„Meine Bilanz ist sehr positiv“

Der Bürgermeister und seine „Baustellen“: Thomas Fehling hatte in den vergangenen 20 Monaten viel zu tun: Schilde-Halle, Lullusfest, Werbung für das Stadtradeln, die Bad Hersfelder Festspiele und immer wieder der Haushalt. So manche Bäumchen, die er gepflanzt hat, sprießen nur langsam (von oben links nach unten rechts). Fotos: Archiv

Bad Hersfeld. Die SPD hat auf ihrem Stadt-Parteitag in Asbach heftige Kritik an der bisherigen Arbeit von Bürgermeister Thomas Fehling (FDP) geübt. Darüber sprachen Karl Schönholtz und Kai A. Struthoff mit dem Bürgermeister.

Herr Fehling, die SPD kritisiert Ihre Arbeit. Treten Sie zurück?

THOMAS FEHLING: (lacht) Für einen Rücktritt gibt es keinen Grund. Das Geraschel der SPD sehe ich ganz gelassen.

Ganz im Ernst: Wirtschaft und Arbeitsplätze waren Ihre Kernthemen im Wahlkampf. Wo bleiben die Erfolge?

FEHLING: Die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen braucht Zeit. Ich habe auch nie große Neuansiedlungen versprochen, sondern immer eher auf kleinere Betriebe gesetzt. Für derartige Projekte und die passenden Partner brauchen wir aber einen längeren Atem.

Sie sind jetzt aber schon 20 Monate im Amt, das ist doch eine lange Zeit?

FEHLING: So erfolglos ist aber auch meine Amtszeit bisher gar nicht. Wir haben das Wever- Gelände wiederbelebt, am Parkhaus Neumarkt wird ein neues Hotel entstehen...

... auf Initiative von privaten Investoren...

FEHLING: Genau so muss es sein! Aber dafür gab es viele Vorgespräche. Bei aller Bescheidenheit: So ganz ohne unser Zutun ist das nicht zu Stande gekommen. Außerdem arbeiten wir intensiv mit an dem Projekt Gasturbinen- Kraftwerk in Ludwigsau, das ordentlich voran geht. Die Stadt ist dort ja Gesellschafter in dem Industriegebiet. Dong- Energy als Betreiber wird sich jetzt auch an unserem E-Punkt beteiligen. Und auf dem Gelände des Hexenhäuschens siedelt sich ein Metallbaubetrieb an.

Naja, das ist eine Umsiedlung?

FEHLING: Schon, aber mit Personalerweiterung. Im Moment schieben wir außerdem ein Energie-Projekt rund um Strohpellets an – ein ganz neues Geschäftsfeld. All das fällt nicht einfach vom Himmel und wäre eigentlich Aufgabe der Wirtschaftsfördergesellschaft des Kreises, mit deren Arbeit ich aber weiterhin nicht zufrieden bin.

Bei all dieser Arbeit: Warum machen Sie dann Nebenkriegsschauplätze wie den Sportpark auf, für den es keine politische Basis gibt?

FEHLING: Das stimmt doch gar nicht! In dem betreffenden Ausschuss waren alle von dem Thema begeistert. Vielleicht sollte der Herr Müller (SPD-Stadtverbandschef, die Red.) öfter mal in die Gremien kommen und sich informieren. Wir werden jedenfalls zum Thema Sportpark schon bald neue Vorschläge machen.

Herr Müller hat erneut Kürzungen im Bereich der Kinderbetreuung ausgeschlossen. Sie sehen das anders. Wie wollen Sie Ihren Standpunkt gegen die SPD-Mehrheit durchsetzen?

FEHLING: Das kann ich nicht. Aber wir unterliegen nun mal wirtschaftlichen Zwängen. Wir schauen schon jetzt auf den Haushalt 2013, und im ersten Durchgang fehlen uns da 3,5 Millionen Euro, für die wir noch kreative Ideen brauchen.

Sie selbst haben in einer Pressemeldung eine „äußerst positive Zwischenbilanz“ Ihrer Arbeit (siehe Meldung links) gezogen und verweisen zum Beispiel auf 695 Vorlagen und 312 Drucksachen – irgendwie klingt das nicht sehr spannend, sondern eher wie Pfeifen im Wald...

FEHLING: Das sehe ich anders. Viele dieser Vorlagen dümpeln seit Jahren dahin, wir packen es jetzt an. Viele gesetzlich vorgeschriebene Dinge wurden nicht gemacht. Wir prüfen zum Beispiel jetzt die Eröffnungsbilanz der Doppik von 2009. Das hätte man auch drei Jahre früher machen können. Außerdem versuchen wir immer noch, den Berg an Überstunden und Urlaubstagen abzubauen, den ich hier vorgefunden habe. Und nebenbei betreiben wir Schadensbegrenzung beim wortreich.

Gutes Stichwort: Nach der Trennung von Petri & Tiemann hat man jetzt einen Sündenbock ausgemacht. Sollte man nicht fairerweise vielleicht mal fragen, ob nicht auch hier in Bad Hersfeld Fehler gemacht wurden?

FEHLING: Das hilft uns jetzt nicht weiter. Die Probleme müssen jetzt gelöst werden. Es stimmt aber, wir müssen aufpassen, uns zwischen all den Großbaustellen, die unseren Haushalt massiv belasten, nicht zu verzetteln. Sie sind nicht das originäre Geschäft einer Stadtverwaltung.

Und wie steht es mit den Kosten für den Schilde-Park?

FEHLING: Bei dem ganzen 40 Millionen-Euro-Projekt liegen wir absolut im Budget. Es gibt nur eine Überschreitung von 150 000 Euro, das hat unser Controller bestätigt. Da bin ich schon stolz drauf. Deshalb ziehe ich schon sehr selbstbewusst eine positive Bilanz der Arbeit, die die Verwaltung und ich hier in den letzten Monaten geleistet haben.

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