Simon Stache ist fluchtartig aus Tokio abgereist und heil in Deutschland gelandet

„Mein Herz ist noch in Japan“

Zurück in Deutschland: Der 20-Jährige Simon Stache in seinem Zimmer im Elternhaus in Asbach. Foto: Laura Horst

Asbach. Erstaunlich munter sieht der 20-jährige Simon Stache aus, obwohl er gerade eine 24-stündige Reise hinter sich hat. Wenn es nach Simon gegangen wäre, dann säße er jetzt nicht in der Küche der Familie Stache, sondern würde weiterhin in Tokio seinem Job als Model nachgehen.

Während seine Eltern in Deutschland unter extremen Ängsten litten und sich Horroszenarien ausmalten, versuchte Simon die Lage in Tokio so entspannt wie möglich zu sehen. „Die Japaner sind relativ gelassen, sie versuchen den Alltag aufrecht zu erhalten, während die Deutschen schon in Panik ausgebrochen wären“, stellt er fest. Seine Eltern überzeugten ihn letztendlich doch von einer Rückreise nach Deutschland. Mit tatkräftiger Unterstützung des Bad Hersfelder Reisebüros Krug buchten sie in letzter Minute einen Rückflug. Auf den letzten Drücker erreichte auch Simon seinen Zug zum Flughafen, denn aufgrund der starken Nachbeben fuhren nach Simons Zug am Sonntag keine weiteren mehr. Mit unheimlich viel Glück im Gepäck erreichte er seinen Flieger rechtzeitig und landete, nach einem mehrstündigen Zwischenstopp in Abu Dhabi, am Montagabend in Frankfurt am Main. Seine Familie und Freunde haben ihm einen schönen Empfang beschert, Plakate gemalt und überall bunte Luftballons verteilt.

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Seinen Eltern ist Simon sehr dankbar, auch wenn er sich zuerst gegen einen Rückflug sträubte. Ihnen zu Liebe hat er sich dann doch für die Rückkehr nach Deutschland entschieden, denn so aufgewühlt wie in den vergangenen Tagen habe er sie noch nie erlebt.

Gemischte Gefühle

Während Familie und Freunde erleichtert und glücklich sind, dass Simon nun in Sicherheit ist, hat er persönlich gemischte Gefühle. Wo er wirklich hingehört, weiß er im Moment nicht. Sein Zuhause ist ihm zwar vertraut, aber es fühlt sich nicht wie früher an. „Mein Körper ist zwar hier in Deutschland, aber mein Herz ist noch in Japan“, äußerte er und gestand im gleichen Moment, dass er wohl etwas Zeit brauche, um überhaupt die Geschehnisse der letzten Tage zu verarbeiten. Alles ging viel zu schnell. Fluchtartig musste er das Land verlassen, konnte sich nicht richtig von seinen Freunden und seiner Gastfamilie verabschieden.

Im Nachhinein kann er die Ängste seiner Eltern auch nachvollziehen, denn er realisiert erst hier in Deutschland so richtig die Ausmaße der Naturkatastrophe und ist besorgt um seine in Tokio verbliebenen Freunde.

Im Moment möchte Simon erst einmal abwarten und die Situation in Japan weiterhin beobachten. In einer Sache ist sich Simon allerdings sicher: Zurück nach Tokio möchte er irgendwann. Nachdem er unverrichteter Dinge abgereist ist, hat er noch einiges zu erledigen und möchte vor allem seine Freunde wiedersehen, die in den vergangenen sechs Monaten wie eine Familie für ihn geworden sind.

Von Laura Horst

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