250 Dinge, die wir an der Region mögen (54): Die alte Linde am „Langen Loh“

Mein Freund, der Baum

Weit schweift der Blick von der alten Linde am „Langen Loh“ in Breitenbach am Herzberg. Unter ihrer dichten Krone gibt es eine Bank für Rastsuchende. Foto: Katharina  Schaake

Breitenbach/H. Sein Standort befindet sich in der Breitenbacher Feldgemarkung am „Langen Loh“, unweit des Weges, der von der Machtloser Straße aus über den Willecke-Weg zum Rimberg führt. Dieser Baum, eine mächtige Linde, hat mich schon in Kindertagen angezogen. Von ihm aus reichen meine Blicke weit hin, über unser Dorf hinweg, bis zu den Rhönbergen.

Harry-Heussner-Bank

1909 wurde er zum Gedenken an Johanna Lindner gepflanzt, die an diesem Acker bei der Feldarbeit durch einen Blitzschlag den Tod fand. Als Gedenkbaum wuchs er zu einem stattlichen, weithin sichtbaren Lindenbaum heran. So um das Jahr 1953 wurde unter seinem Blätterdach während einer Feierstunde ein verdientes Mitglied des Knüll-Gebirgs-Vereins geehrt und eine Bank mit dessen Namen „Harry-Heussner-Bank“ aufgestellt. Dazu befestigte man an dem Baumstamm eine Holztafel mit folgendem Spruch: „Wie schuf doch Gott die Welt so schön, o Wandrer halte Rast, bedenke, dass auch du nur bist auf dieser Welt ein Gast!“

Die Bank war verwittert und ist durch eine neue ersetzt worden. Der Spruch auf der Tafel ist verloren gegangen, aber in meinem Gedächtnis geblieben. Wie oft habe ich im Laufe der Jahrzehnte, während der Feldarbeit, unter dem Schattendach des Baumes ein wenig Erholung gefunden. An einen Spruch musste ich denken:

„Je älter ein Baum ist, umso wertvoller und größer wird er.

Je tiefer seine Wurzeln reichen, umso standhafter widersteht er den Stürmen.

Je dichter seine Äste sind, umso sicherer bietet er Schutz.

Je stärker sein Stamm ist, umso mehr verkraftet er das Anlehnen.

Je höher seine Krone ist, umso einladender wirkt sein deckender Schatten.

Jeder Jahresring ist ein deutliches Sinnbild für gelebte Kraft, ist wie eine Falte in einem Gesicht.“

Dieser Spruch steht für die nun über 100-jährige Linde am „Langen Loh“. Wie vielen Stürmen und trockenen Sommern, in denen ich manchmal um sie gebangt habe, hat sie standgehalten. Von meinem Fenster aus kann ich „meine Linde“ am Horizont beobachten, wie sie sich immer wieder den Jahreszeiten anpasst. Wie sie majestätisch, mitten auf der Höhe, im Hintergrund Herzberg und Rimberg, auch nach über 100 Jahren stark und mächtig dasteht. Nicht nur die Bank zum Ausruhen, auch die Worte zum Nachdenken sind durch unsere Gemeinde wieder an ihrem Stamm angebracht worden: „Wie schuf doch Gott die Welt so schön…“

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