Im Studienseminar in Bad Hersfeld werden junge Lehrkräfte auf den Beruf vorbereitet

Mehr Praxis in Ausbildung

In dem schmucken Fachwerkhaus am Eingang des Stiftsbezirks residiert inzwischen nur noch das Studienseminar für die Lehrerausbildung. Dessen stellvertretender Leiter Gerhard Rabe erwartet nun Veränderungen. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Die Lehrerausbildung in Hessen wird sich nach der Landtagswahl im September ändern. Das erwartet Gerhard Rabe. Er ist stellvertretender Leiter des Studienseminars Bad Hersfeld. Rabe hat aufmerksam die Wahlprogramme der beiden großen Parteien gelesen und daraus geschlossen, dass es Pläne für Erneuerung gibt. „Wir wünschen uns eine engere Verzahnung von Hochschul- und praktischer Ausbildung“ sagt der stellvertretende Leiter des Studienseminars. Studenten dürften nicht erst nach Abschluss ihres Studiums während des Referendariats merken, ob sie für den Lehrerberuf geeignet sind oder nicht.

Mehr Praxis

Den stärkeren Praxisbezug haben sowohl SPD als auch CDU in ihren Wahlprogrammen. Das Kultusministerium wolle ein Praxissemester nach zwei Semestern Studium einführen, erklärt Rabe. Allerdings sei dabei kaum eine Begleitung der Studenten an den Schulen vorgesehen. Die SPD möchte die Praxisphasen im Studium verlängern. Die angehenden Lehrer sollen aber durch die Ausbilder der Studienseminare unterstützt werden, so dass Studium und Vorbereitsdienst verknüpft werden.

Gerhard Rabe könnte sich zudem eine Funktionserweiterung der Studienseminare vorstellen. Die Ausbilder könnten nicht nur die Studenten während ihrer Praktika begleiten, sondern sich auch um die Fortbildung der Lehrer kümmern. „Diese Fortbildung liegt hessenweit völlig im Argen, seit die Institute für Lehrerfortbildung (HILF) abgeschafft wurden“, bedauert Rabe. Seiner Meinung nach ist es „ein Unding, dass eine Lehrkraft 40 Jahre ohne eine Fortbildung tätig sein kann.“

Einen sinnvollen Einsatz für die Ausbilder der Studienseminare sieht Rabe auch in der Begleitung des Berufseinstiegs der jungen Lehrer nach Abschluss ihres Referendariats. Denn da seien längst nicht alle Fragen geklärt und die Lehrer mit ihren Problemen oft allein.

Ausbildung verkürzt

Das Studienseminar bei Hersfeld betreut zurzeit 44 Referendare in der Ausbildung für das Lehramt an Grundschulen, Haupt- und Realschulen sowie Förderschulen, weitere 15 kommen zum 1. November dazu. Sie werden betreut von elf Ausbilderinnen und Ausbildern. Dazu kommt die Stelle des stellvertretenden Leiters und eine Verwaltungsangestellte. Vor einigen Jahren seien es noch über 100 Referendare und 23 Ausbilder gewesen, erinnert sich Rabe. Doch durch eine Verkürzung der Ausbildung von 24 auf 21 Monate seien die Zahlen stark gesunken. „Die Verkürzung ist zwar nicht sinnvoll, spart aber Geld“, kommentiert Rabe ein wenig resigniert.

Generell sei es schwierig, Nachwuchs für einige Fächer zu finden, zum Beispiel Kunst, Musik, Chemie, Physik oder Französisch. Weitere Texte

Von Christine Zacharias

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