Die kleine Gasse hinter dem City-Parkhaus verkommt – Anwohner machen mobil

Mehr Licht für den Ransen

Ein Tor zur Stadt, durch das keiner will: Der Ransen. Leerstehende Häuser, Müll, Graffiti – am Ende der Gasse das Parkhaus City-Galerie. Einige Hauseigentümer haben die verkommenen Eingänge gestrichen und Kisten für Müll aufgestellt (oben rechts). Mal sehen, wie lange es hält. Fotos: Struthoff

Bad Hersfeld. Der Ransen ist ganz schön abgeranzt. Graffitis, Müll, stinkende Pinkelecken – die etwa 50 Meter lange Gasse hinter dem Parkhaus City-Galerie ist kein Aushängeschild für die Festspielstadt. Seit geraumer Zeit bemüht sich eine Gruppe von Anwohnern und Hausbesitzern um eine Verbesserung der Lage.

„Die Situation wird immer desolater“, sagt Prof. Wolfgang Etz, dem gemeinsam mit seinem Bruder Helmut in einer Erbengemeinschaft die Häuser Nr. 1 und 3 in der kleinen Gasse gehören. Seit Jahren bemüht sich der Architektur-Professor aus Münster darum, das Wohnumfeld im Ransen aufzuwerten.

Immerhin ist die Straße mit ihren alten, verduckten Häuschen oft der erste Eindruck von Bad Hersfeld für viele Festspielbesucher und Einkaufsgäste, die direkt aus dem Parkhaus in Richtung Innenstadt streben.

Erinnerung an früher

Dabei könnte die kleine Gasse, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, ein Schmuckstück der Stadt sein, denn hier kann man noch erahnen, wie es in Bad Hersfeld früher einmal ausgesehen hat. Ransen heißt im Dialekt eigentlich Sackgasse. Historiker vermuten, dass die Straße früher direkt hinter der Stadtmauer endete. Teile der alten Häuser stehen unter Denkmalschutz, Umbauten sind nur mit Auflagen möglich. Doch den wenigen, zumeist älteren Anliegern fehlt ohnehin das Geld für Investitionen.

Prof. Etz wirbt deshalb für kleine Verbesserungen. „Wir brauchen vor allem mehr Licht im Ransen, denn das vertreibt unliebsame Gäste.“ Tatsächlich wird die schummrige Gasse hinter dem Parkhaus gern für Trinkgelage mit anschließendem Erleichtern genutzt. In leerstehenden Hauseingängen wird das Essen der nahen Imbisse vertilgt und die Verpackung achtlos weggeworfen. Anwohner klagen auch über Pöbeleien und Rangeleien.

Prof. Etz ist deshalb dafür, mehr städtische Müllcontainer aufzustellen. „Wir fordern nichts Utopisches, und wir sind auch bereit, Eigeninitiative zu ergreifen“, sagt er. So habe seine Familie als Besitzer der Häuser Nr. 1 und 3 schon selbst zum Pinsel gegriffen, um Schmierereien und Dreck zu entfernen. Damit die Fassaden aber auch sauber bleiben, plädiert Prof. Etz für eine häufigere polizeiliche Präsenz in der kleinen Gasse.

Immer wieder haben Helmut und Wolfgang Etz mit Briefen, Unterschriftenaktionen und Petitionen aller Anwohner den Bürgermeister und den Magistrat auf die Missstände in ihrer Straße hingewiesen. Sie baten darum, zwei Straßenleuchten aufzustellen. Aber auch ein persönliches Gespräch mit Thomas Fehling blieb bislang ohne greifbare Ergebnisse.

Fruchtbarer verliefen Kontakte mit dem Management der City-Galerie, das die schlimmsten Pinkel-Ecken hinter dem Parkhaus inzwischen durch Zäune unzugänglich gemacht hat.

Um die Probleme am Ransen zu lösen, wäre aus Sicht des Architektur-Professors Etz „eine architektonische Überplanung des gesamten Bereichs notwendig“. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Deshalb setzen die Brüder Etz und ihre Mitarbeiter zunächst auf mehr Licht, weniger Müll und verstärkte Prävention am Ransen. Doch sie wissen auch: „Das Problem ist nicht schnell zu lösen“.

Von Kai A. Struthoff

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