Überdurchschnittliche Wahlbeteiligung bei Kirchenvorstandswahl – Willingshain vorn

Mehr Frauen als Männer

Kirchenvorstandssitzung mal anders: Die Beenhäuser Pfarrerin Janina Richter (von links) und die Gerteröder Kirchenvorstandsmitglieder Monika Jacob, Natalie Schade und Thea Reinhardt stoßen im Wohnzimmer von Reinhardts mit einem Glas Sekt auf gute Zusammenarbeit in den nächsten sechs Jahren an. Am Sonntag werden Gewählte und Berufene in der Gerteröder Kirche in ihr Amt eingeführt. Foto: Apel

Bad HERSFELD. So gut wie abgeschlossen ist die Neubesetzung der Kirchenvorstände der evangelischen Kirchengemeinden. Zum einen haben die Wahlberechtigten den Großteil der Mitglieder der Gremien direkt gewählt. Zum anderen ist fast überall die vor Ort festgelegte Anzahl von Gemeindegliedern berufen worden.

In vielen Gemeinden wurden die Gremien schon am Wahlabend komplettiert. So zum Beispiel in Mecklar, wo Pfarrerin Karin Ludwig-Heiderich im Anschluss an die Feststellung der Wahlergebnisse zu Sitzungen der neugewählten Kirchenvorstandsmitglieder eingeladen hatte.

Dies war erforderlich, weil in Mecklar, Meckbach und Rohrbach – wie in vielen anderen Gemeinden auch – vier Mitglieder des Gremiums von den Mitgliedern der Kirchengemeinde in den Kirchenvorstand gewählt werden. Das sind diejenigen mit den meisten Stimmen. Die übrigen ehrenamtlich tätigen Personen werden von den direkt gewählten „Abgeordneten“ in das Gremium berufen.

Das erfolgt theoretisch dergestalt, dass versucht wird, möglichst vielen Gruppen der Gemeinde ein „Gesicht“ zu geben, beziehungsweise so, dass ein Gemeindeangehöriger hinzuberufen wird, auf dessen Sachverstand man gerne zurückgreifen würde.

Rein praktisch ist die Zahl der Aspiranten jedoch so gering, dass vielerorts auf die verbleibenden Listen-Kandidaten zurückgegriffen wird. So geschehen in Meckbach und Rohrbach, aber auch in Gerterode, wo sich Pfarrerin Janina Richter am Dienstagabend mit den gewählten Kirchenvorsteherinnen traf, um zwei weitere Kirchenvorstandsmitglieder zu berufen.

Einstimmig entschied sich das Gremium dafür, die beiden zur Wahl angetretenen Männer zu berufen. Dabei handelt es sich um Karl Scheuch und um Jan-Hendrik Ermert, der sich als 21-Jähriger und damit als einer der jüngsten Kandidaten weit und breit für das Amt zur Verfügung gestellt hat. Dass mehr Frauen als Männer berufen werden ist gang und gäbe, da es seit vielen Jahren so ist, dass sich mehr Frauen als Männer kirchlich engagieren, was zur Folge hat, dass auch mehr Frauen gewählt werden.

Volker Drewes zufrieden

Mit der Wahlbeteiligung zeigte sich Pfarrer Volker Drewes, der amtierende Dekan des Kirchenkreises Hersfeld, sehr zufrieden. Sie lag vor Ort bei durchschnittlich 32,5 Prozent – und damit deutlich über dem Mittel der Landeskirche (26,8 Prozent). Absoluter Spitzenreiter war der Kirchenkreis Rotenburg (36,9 Prozent) und hier wiederum die Kirchengemeinde Beenhausen (70,5 Prozent).

Im Hersfelder Land wählten die Willingshainer am fleißigsten: Von 158 Mitgliedern der immer noch selbstständigen Kirchengemeinde machten 99 ihre Kreuzchen (62,6 Prozent). Im Bad Hersfelder Stadtkirchenbezirk dagegen ging nur etwa jeder Zehnte wählen, was aber – so Drewes – hier wie auch anderenorts auf bestehende Strukturen und nicht auf mangelnde Aktivitäten in der Gemeinde zurückzuführen ist.

Viele wählten online

Erstmals zur Wahl aufgerufen waren alle religionsmündigen Jugendlichen ab 14 Jahren, die in großem Maße von der ebenfalls erstmals eingeräumten Möglichkeit der Online-Wahl Gebrauch gemacht haben dürften. Der Anteil der per Internet abgegebenen Stimmen belief sich landeskirchenweit auf 9,3 Prozent, im Stimmbezirk „Johannesberg“ der Bad Hersfelder Stadt- und Johanneskirchengemeinde sogar auf sagenhafte 40,1 Prozent, wie Pfarrer Holger Grewe auf Anfrage mitteilte.

Generell scheint die Möglichkeit der Online-Wahl neben der umstrittenen Regelung, dass Über-70-Jährige nicht mehr gewählt werden können, zur Verjüngung der Kirchenvorstände beigetragen zu haben.

Von Wilfried Apel

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