Zwei Prozent der Flächen im Regierungsbezirk sollen für Windkraft genutzt werden

Mehr Fläche und Anlagen

Besonders markant und weithin sichtbar sind die Windräder, die in der Gemeinde Kirchheim direkt an der Autobahn stehen.

Hersfeld-Rotenburg. Atomausstieg und Energiewende werden sich auch optisch im Kreis Hersfeld-Rotenburg bemerkbar machen: Zwei Prozent der Flächen in Nord- und Osthessen sollen für Windkraftanlagen zur Verfügung gestellt werden. 10 000 Hektar Fläche für Windkraftanlagen sind bereits gefunden worden, 16 500 werden benötigt.

Beim Regierungspräsidium (RP) in Kassel ist man optimistisch, die Zwei-Prozent-Marke auch in Waldhessen zu erreichen. Es wird also mehr Windkraftanlagen geben.

Frühestens im Dezember 2012, eher aber im Januar 2013 soll die Regionalversammlung einen Entwurf für die Windenergieentwicklung in Nord- und Osthessen beschließen, erklärte der Leiter des Bauwesens bei der Regionalplanung, Wolfgang Kaivers. Darin verankert sind natürlich auch die Flächen, die im Kreis Hersfeld-Rotenburg als geeignet ausgewiesen wurden. Sie wurden ermittelt in Abstimmung mit Fachbehörden und Ministerien. Die Karten mit den sogenannten Suchräumen sind in einem ersten Planungsschritt an Kreise und Kommunen geschickt worden.

?Was passiert, wenn die Regionalversammlung den Entwurf beschlossen hat?

!Der Plan wird etwa zwei Monate lang öffentlich ausgelegt, das heißt, er kann im Internet angesehen werden. Alle Bürger und Interessengruppen können ihn ansehen und direkt Stellungnahmen dazu abgeben. Anschließend wird der Plan unter Berücksichtigung der Stellungnahmen überarbeitet und erneut der Regionalversammlung vorgelegt, das Verfahren wiederholt sich. Der endgültige Beschluss wird für Ende 2013 erwartet.

?Welche Möglichkeit haben Kommunen aktuell, Einfluss auf Windkraftstandorte zu nehmen?

!Sie können im Rahmen des neuen regionalplanerischen Windenergiekonzeptes für ihr Gebiet Flächennutzungspläne aufstellen. Das heißt, sie können Standorte innerhalb windgünstiger Flächen festlegen, soweit sie den Planungskriterien des neuen Teil-Regionalplans entsprechen. Das heißt aber auch, sie können Standorte nicht einfach ausschließen, die windgünstig sind, nur weil zum Beispiel die Optik nicht passt. „Dann genehmigen wir den Flächennutzungsplan nicht“, sagt Wolfgang Kaivers.

?Können Kommunen entscheiden, wie viele Windkraftanlagen in einem genehmigten Windfeld gebaut werden?

!Nein, das können sie nicht. Das bleibt Sache der Investoren.

?Ist ein Flächennutzungsplan zwingend notwendig?

!Nein. Schon jetzt können Bauanträge für Windkraftanlagen auf Flächen, die den neuen Planungskriterien des RP entspricht, gestellt werden. Bis zur Erstellung aller Genehmigungsunterlagen dauert es etwa ein Jahr. Benötigt werden zum Beispiel naturschutzrechtliche Gutachten, bei denen eine Vegetationsperiode lang untersucht werden muss. Die dauert etwa von März bis Oktober.

?Kann man sich gegen den Bau von Windkraftanlagen wehren?

!Bedingt. Klagen sind gegen eine Genehmigung möglich. Die haben in der Regel aufschiebende Wirkung. Betroffene können aber gleichzeitig eine Anordnung auf sofortige Vollziehung stellen. Dann folgt in der Regel eine schnelle Entscheidung des Gerichts.

Von Silke Schäfer-Marg

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