Jugendlicher Einbrecher überraschte Jugendschöffengericht – Bewährungsstrafe

Mehr Einsicht als erwartet

Bad Hersfeld. Der Eindruck, den der Angeklagte noch beim Haftprüfungstermin vor wenigen Wochen hinterlassen hatte, war der eines unsteten, ziemlich haltlosen Jugendlichen, um den man sich allergrößte Sorgen machen musste.

Vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld erschien jetzt jedoch ein 17-Jähriger, der auf einmal einsichtig war, Verantwortung übernahm und offenbar gewillt ist, sein Leben in den Griff zu bekommen.

Der Schüler war einer von mehreren Jugendlichen, die vor einem Jahr eine Reihe von Einbrüchen begangen hatten. Unter anderem waren sie ins Landratsamt, ins Kreisgesundheitsamt und in die Räume einer Kirchengemeinde in der Innenstadt eingestiegen. Die Beute: ein bisschen Bargeld, ein Handy, Schmuck und zwei Kopfhörer. Doch in zwei der fünf Fälle gingen die Einbrecher auch leer aus.

Nicht nur Mitläufer

Der Angeklagte versteckte sich in seinem Prozess nun nicht etwa hinter den längst verurteilten Komplizen. Nein, er sei nicht nur Mitläufer gewesen, sondern sei aus eigener Entscheidung dabei gewesen und habe auch mal die Idee für einen der Einbrüche gehabt.

Vier Wochen saß der Jugendliche daraufhin in Untersuchungshaft („Das war nicht schön, aber auch nicht so schlimm“), anschließend wurde er per Fußfessel kontrolliert.

Auch seinen Lebensstil hat der 17-Jährige geändert: Er strebt einen Schulabschluss an, hat das in seiner Familie übliche „Kiffen“ aufgegeben und lernt gerade die Regeln des täglichen Lebens – etwa, dass man Termine nicht einfach ausfallen lässt, sondern absagt.

Sein Verteidiger – der Fuldaer Rechtsanwalt Hans J. Hauschild – versuchte deshalb, die für eine Verurteilung zur Jugendstrafe erforderliche Feststellung „schädlicher Neigungen“ bei seinem Mandanten wegzudiskutieren.

Produkt seiner Erziehung

Das klappte am Ende nicht. Die Gerichtsvorsitzende Michaela Kilian-Bock attestierte dem Schüler zwar, „ein Produkt Ihrer Erziehung“ zu sein, hielt die Zeit zwischen Läuterung und Verhandlung aber für zu kurz, um es als Sanktion bei einer Verwarnung zu belassen.

Acht Monate Jugendstrafe wurden allerdings für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Regelmäßiger Kontakt zum Bewährungshelfer und Urinkontrollen wurden außerdem angeordnet.

Von Karl Schönholtz

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